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Am 2. Juni 2008 geht's mal wieder los zu einer etwas ausgedehnten Radtour. Als Ziel habe ich mir den Westen Kanadas vorgenommen. Ab Düsseldorf geht es nonstop mit der LTU nach Vancouver. Nach Behebung einiger, wie man uns Passagieren sagt, kleinerer Computerprobleme hebt dann Flug LTU 1682 mit fast einer Stunde Verspätung ab. Bei gutem Flugwetter geht es über die Niederlande, Schottland, und Island Richtung Grönland. Wie nicht anders zu erwarten, ist das Meer westlich von Grönland noch reichlich vereist. Es geht dann weiter über die noch völlig vereiste Hudson Bay und die schneebedeckten nördlichen Gebiete Kanadas. Mir kommen jetzt doch etwas Zweifel, ob meine Terminwahl vernünftig war. Aber mit dem Anflug auf Vancouver sieht es dann doch schon wieder recht freundlich aus. Die Temperaturen in Vancouver liegen bei knapp 20° C. Die Fahrt vom Airport zum Youth Hostel in Downtown Vancouver ist recht angenehm. Ich fahre durch schöne und sehr gepflegte Wohngebiete. In vielen Gärten sind die Rhododendren in voller Blüte. Es ist ein sehr angenehmer Auftakt dieser Radreise und die während des Fluges aufgekommenen Bedenken bezüglich des gewählten Reisetermins verfliegen schnell.
Am nächsten Tag starte ich dann zu meiner Rundtour über Vancouver Island, über den Yellowhead-Highway, durch die Rocky Mountains und zurück über den Crowsnest Highway. Über Nacht ist es recht kühl und regnerisch geworden. Na ja, jetzt habe ich keine andere Wahl, da muß ich wohl durch. Über die Lions-Gate Bridge fahre ich bei mehr oder weniger starkem Regen bis zur Horseshoe Bay um dort die Fähre nach Nanaimo auf Vancouver Island zu nehmen. Während der Überfahrt Regen. In Nanaimo Regen. Auf Camping verzichte dann mal gleich und übernachte auch hier in der Jugendherberge. Falls das Wetter noch einige Zeit so bleiben sollte, werde ich wohl vorerst völlig auf Camping verzichten. Um das geplante Budget noch so einigermaßen einzuhalten, sollte ich dann wohl später etwas mehr Camping machen. In den nur dünn besiedelten Gebieten entlang des Yellowhead und später in den Rocky Mountains dürfte ich ohnehin nicht bei jeder Tagesetappe Hotels, Motels oder ein B&B finden. An den nächsten drei Tagen habe ich recht ordentliche Witterungsbedingungen. Es ist zwar wieder recht kühl, aber es ist trocken und sonnig. So komme ich ohne besondere Vorkommnisse über Qualicum Bay und Campbell bis Sayward Junction. Es geht überwiegend durch nette Orte direkt entlang der Küste. Ich habe Glück und reichlich Rückenwind schiebt mich in Richtung Norden. Dann macht die Route einen Schwenk weg von der Küste über einen sich in mehreren Stufen dahinziehenden Bergrücken. Heute ist es besonders kalt. Der Wind hat gedreht und bläst mir unbarmherzig ins Gesicht. Das ständige auf und ab der heutigen Etappe ist schon recht anstrengend und ich benötige einige Zeit mehr, als ursprünglich für diese Etappe geplant. Als Tagesziel hatte ich jetzt Telegraph Cove vorgesehen. Aber irgendwie ist es spät geworden, es kündigt sich Regen an. Und dann sehe ich da so knapp 15 km vor Telegraph Cove ein Hinweisschild zum "Alder Bay Resort". Hier soll es neben Camping auch einige Cottages geben. Dann mal dahin. Bei dem zu erwartenden Regen und den niedrigen Temperaturen könnte ich ja nochmals auf mein Zelt verzichten und mir lieber ein Cottage mieten. Aber es kommt anders. Die Cottages sind geräumige Wohnwagen und werden leider nur wochenweise vermietet. Na ja, dann muß ich mal mein Zelt aufbauen. Während mir die Resortbetreiberin einen Platz zuweist bemerkt sie so nebenbei "We have a bear around here". Das ist ja eigentlich keine besondere Botschaft. In Kanada sollen Bären doch relativ häufig vorkommen. Also frage ich mal nach, was es denn mit diesem Bären auf sich hat. Tja, dieser Bär hat wohl die etwas lästige Angewohnheit, nachts häufig ins Camp zu kommen. Es soll sich wohl um eine Bärin mit zwei Cubs handeln. Das kannt ja dann ein gelungener Auftakt meiner Campingerfahrungen in Kanda werden! Aber die gute Frau beruhigt gleich wieder mit dem Hinweis, heute seien einige Gäste mit Hunden im Camp und dann würden keine Bären in das Camp kommen. So war es dann auch. Aber vorsorglich hatte ich meinen Reiseproviant und für Bären ähnlich einladend riechende Dinge an sicherer Stelle im Gebäude des Resort verstaut. An nächsten Morgen geht es dann bei leichtem Nieselregen weiter in Richtung Port Hardy. Es ist nicht mehr allzu weit. Ich habe also viel Zeit und kehre bei der ersten sich bietenden Gelegenheit zu einer ausgiebigen Frühstückspause ein. Dann folgt der Rest bis Port Hardy. Die Fähre nach Prince Rupert startet gleich frühmorgens, kurz nach Sonnenaufgang. Das ist auch mal wieder für mich keine besondere Einladung zum Camping. So knapp 3 Km vor dem Fährterminal finde ich eine kleine Anlage mit 5 sehr schönen und trotz der guten Lage zum Terminal nicht zu teuren Cottages. Hier quartiere ich mich ein und fahre dann anschließend zum Terminal um meine für Übermorgen bestehende Reservierung um einen Tag vorzuziehen. Für Radfahrer geht das problemlos. Dann folgt noch eine kurze Ausfahrt nach Port Hardy. Den Rest des Tages verbringe ich auf der schönen Terrasse meines Cottages und genieße den Blick auf's Meer. Am nächsten Tag erfolgt die Überfahrt nach Prince Rupert. Die Passage beginnt grau in grau und mit dem wohl unvermeidlichen Regen. Aber je weiter wir nach Norden kommen, desto freundlicher wird das Wetter. Nur die nicht besonders hohen schneebedeckten Berge machen mich etwas unsicher. Bin ich doch etwas zu früh unterwegs, muss ich mir doch noch eine warme Jacke kaufen und bleibt Camping nur für den Notfall? Prince Rupert erreichen wir abends mit Sonnenuntergang. Bis ich endlich von der Fähre bin, ist es auch schon dunkel. Ich habe daher vorsorglich ein Zimmer in einem nahe am Terminal gelegenen Motel reserviert. In Prince Rupert mache ich für einen Tag Pause. Es ist eine nettes kleines Städtchen mit reichlich "First Nation" (Indianer) Tradition. Über das ganze Stadtgebiet verteilt findet man schöne Beispiele von Totems. Ein Besuch des Museums vermittelt weitere Einblicke in die First-Nation Kultur. Aber auch die Natur rundherum ist sehr beeindruckend. Gleich am kleinen Fischerhafen konnte ich beispielsweise gleich mehre Weißkopfadler beobachten. Es ist weiterhin sehr kühl, zum Glück aber sehr sonnig. Wenn ich den Informationen des Wetterdienstes trauen darf, sollen wohl im ganzen Westen Kanadas die Temperaturen so etwa 10° C unter dem langjährigen Durchschnitt liegen. Für die nächsten Tagen ist auch wieder Regen angesagt. Jetzt liegt der Yellowhead Highway vor mir. Mit Verlassen von Prince Rupert tauche ich nun endgültig in die kanadische Wildernis ein. Damit man das auch bemerkt, hat man gleich am Ortsausgang entsprechende Hinweisschilder aufgestellt. Durch weite Waldgebiete geht es immer Richtung Osten, immer in Richtung Rocky Mountains. Meine erste Etappe führt mich bei besten Wetterverhältnissen durch das Skeena Valley bis zum Kasiks Resort, so auf halbem Weg zwischen Prince Rupert und Terrace. Die Straße folgt fast durchweg dem Skeena River. Das Tal ist teilweise recht eng, gesäumt von hohen schneebedeckten Bergen. Heute mache ich im Kasiks Resort Station. Es besteht zwar die Möglichkeit zum Camping, aber da über Nacht ausgiebiger Regen einsetzen soll, ziehe ich doch eine Unterkunft im Motel vor. Am nächsten Tag setze ich die Fahrt durch das Skeena Valley bei anhanltendem Landregen fort. Ich fahre bis Terrace. Trotz des Regens und der eingeschränkten Sicht ist die Landschaft weiterhin sehr beeindruckend. In den einschlägigen Druckschriften der Information Center wird auch nicht zu unrecht behauptet, der Abschnitt von Prince Rupert bis Terrace sei der landschaftlich schönste Teil des Yellowhead Highway innerhalb von British Columbia. Es ist heute richtig kalt und nass und somit ist mal wieder in Terrace ein Motelaufenthalt angesagt. Und wie vom Tourismusverband organisiert, läuft mir gleich nach Verlassen meines Motels am Rande von Terrace der erste Schwarzbär über den Weg. Jetzt folgt tagelang dichter Wald, viele Holztransporter und gelegentlich kleinere Ansiedlungen. Meine nächste Station ist South Hazelton. Bis hier war es relativ flach. Nur wenige kleinere Hügel waren zu bewältigen. Dann geht es langsam in die Berge nach Smithers. Smithers liegt auf etwa 650 m Seehöhe am Fuß der Hudson Bay Mountains. Es ist ein netter Ort mit ansprechender alpenländischer Architektur. Außerhalb des Ortes gibt es einige Campingplätze. Ich entscheide mich aber wiederum für ein Hotel im Ortszentrum. Die Etappe von Hazelton bis Smithers war nicht besonders lang, nicht besonders anstrengend. Ich habe also genügend Zeit, mich im Ort umzusehen und aus einem netten Biergarten den Blick auf den Gletscher in den Hudson Bay Mountains zu genießen. Jetzt geht es langsam bergauf. Über Houston, Burns Lake und Vanderhoof fahre ich nach Prince George. Das Streckenprofil ist stellenweise recht anspruchsvoll. Das Wetter ist überwiegend angenehm. Nur manchmal werde ich von aufziehenden Gewittern gestört, was dann einen Einfluß auf die Etappenlänge und die Unterkunftswahl hat. Ab Prince George wird es etwas eng mit den verfügbaren Unterkünften. Entweder muß ich eine recht lange Etappe von gut 200 km über teilweise sehr anstrengendes Terrain fahren oder zunächst nur ein relativ kurzes Stück bis zum Camp des Provinzialparks am Purden Lake. Das Wetter hat sich recht gut entwickelt. Ich entscheide mich daher für Purden Lake. Das Camp liegt sehr schön. Aber bereits beim Aufbau meines Zeltes werde ich von Heerscharen von Mücken attakiert. Und zur Abrundung gibt's denn auch noch "Bear Alert". Es soll sich eine Schwarzbärin mit ihren Jungen im Provinzialpark aufhalten. Bei meiner Weiterfahrt am nächsten morgen sehe ich dann, dass es etwa 15 km weiter noch ein privat betriebenes Resort am Purden Lake gibt. Hier werden auch einige Cabins angeboten und es gibt dort ein recht ordentliches Restaurant. Aber leider bin ich hier zu früh. Das Restaurant ist noch geschlossen. Ich muss also ohne heißen Kaffee die jetzt vor mir liegende lange Etappe bis Mc Bride antreten. So nach etwa knapp der halben Strecke bis Mc Bride soll es bei Dome Creek ein ordentliches Restaurant und einen Campingplatz geben. Bis dahin werde ich auf jeden Fall fahren und dann kann ich je nach aktueller Situation immer noch entscheiden, wie es weiter gehen soll. Die Strecke zieht sich durch endlose Wälder dahin. Es geht ständig auf und ab, manchmal sehr heftig. Und als das alles noch nicht genug sei, bläst mir auch noch ein kräftiger Gegenwind ins Gesicht. In einer Senke kurz vor Dome Creek läuft mir mal wieder ein ganz junger Bär über den Weg. Ich halte kurz an, um nicht zwischen die wohl noch kommende Mutter und das Jungtier zu geraten. Aber leider kommt mir nicht in den Sinn, meine Kamera auszupacken. Dann, nach einiger Zeit, kommt die Bärenmutter mit einem weiteren Jungtier über die Straße und trollt sich in Richtung des hier in der Senke liegenden Rast- und Campingplatzes. Jetzt ist es zu spät, um noch ein schönes Foto von den Bären zu machen. Aber mein vorsorglicher Stopp war schon richtig, sonst wäre ich wohl doch zwischen die Bärenmutter und ihre Jungen geraten. Dann sehe ich auch das Hinweisschild für das Restaurant. Natürlich oben auf der Kuppe. Also mal hoch. Ob ich dann zum Camping nochmals in die Senke zurückfahre, kann ich nach dem Lunchstopp im Restaurant entscheiden. Aber mal wieder weit gefehlt. Das Restaurant ist schon seit einiger Zeit geschlossen. Es bleibt mir nur eine Pause auf dem verlassenen Parkplatz des Restaurants. Jetzt muß ich mich mit einer Mahlzeit aus meinem Notproviant begnügen: Müsliriegel, Trockenobst und Wasser. die unten im Camp herumstreunenden Bären beflügeln mich nicht besonders, hier Station zu machen. Außerdem gibt's da unten einige kleine Wasserstellen und wahrscheinlich auch viele Mücken. Also dann mal lieber weiter. Wenn es bis Mc Bride zu weit werden sollte, habe ich noch eine Alternative mit einem B&B so knapp 20 km vor MC Bride. Sollte das B&B voll belegt sein, wird auf dem Gelände auch noch Camping angeboten. Es geht weiter mit dem ständigen auf und ab und dem starken Gegenwind. Aber schließlich erreiche ich am frühen Abend das B&B. Es ist ein sehr schönes Anwesen mit äußerst freundlichen Betreibern. Und zu alledem noch recht preiswert. warum soll ich da noch bis in den nächsten Ort, bis Mc Bride fahren? Ich bleibe dann gleich noch einen weiteren Tag dort. In Mc Bride wird jetzt der Pioneers Day mit einer großen Parade gefeiert. Mit dem Besuch der Parade und einer kleinen Rundfahrt durch die nähere Umgebung verbringe ich hier eine angenehme Reiseunterbrechung. Der B&B-Betreiber ist, wie viele Menschen in dieser Region, in der Holzindustrie tätig. Auf dem Hof stehen auch gleich zwei große Transportfahrzeuge. So kommen wir auch etwas über die aktuelle Situation der lokalen Forstwirtschaft ins Gespräch. Die auch hier mittlerweise bemerkbaren milderen Winter haben zu großen Problemen mit Borkenkäfern geführt. Große Bestände sind bereits abgestorben, weitere Flächen sind bedroht. Für das viele Totholz gibt's zur Zeit kaum Verwertungsmöglichkeiten und so bleibt das Holz im Wald liegen. Dieser Umstand begünstigt dann wieder die Waldbrandgefahr. Ein anderes Problem sind die teilweise recht langen Transportwege zwischen Einschlagstelle und Verarbeitungsbetrieb. Bei den explodierenden Treibstoffpreisen bringt das weitere Probleme mit sich. An manchen Stellen wird daher überlegt, die Verarbeitung zu dezentralisieren und dann nur noch die Endprodukte über größere Distanzen zu transportieren. Für die Verwertung der Totholzbestände wird überlegt, an Orten in der Nähe bestehender Überlandleitungen mit Holz befeuerte Kraftwerke zu errichten und den Strom in das Netz einzuspeisen. Östlich der Rocky Mountains ist seit einigen Tagen recht schlechtes Wetter. Gewitter, Stürme, viel Regen und ein weiterer Temperatursturz. Und dann fällt mir auch noch in einem Buch über die Rocky Mountains ein Bild vom noch Ende Juni verschneiten Sunwapta-Pass in die Hände. Na ja, das liegt auf meinem Weg. Da kann ich nur hoffen, dass mir diese "Schnee- und Wintereinlage" erspart bleibt. Aber zunächst geht es ja nur bis an den Fuß des Mount Robson, dem höchsten Berg der kanadischen Rocky Mountains. Der Mount Robson steht ja im Ruf, seinen Gipfel meist in Wolken zu verstecken. Ich habe jedoch Glück. Bei strahlendem Sonnenschein und nur sehr geringer Bewölkung präsentiert sich der Mount Robson in voller Schönheit. Ich kann nicht anders, gleich am Fuße dieses schönen Berges quartiere ich mich in einem netten Cottage ein und genieße den Rest des Tages mit einer kleinen Wanderung. Am nächsten Tag geht es dann nach einem ausgiebigen Früstück im Café der Mount Robson Parkverwaltung weiter in Richtung Osten. Am frühen Nachmittag erreiche ich dann Jasper. Hier will ich einige Tage bleiben und mir bei lokalen Ausfahrten und einigen Wanderungen die nähere Umgebung anschauen. Dann geht es weiter auf dem Icefield Parkway. Das Wetter hat sich sehr erfreulich entwickelt. Eine kräftige Hochdruckzone sorgt für langanhaltend sonniges Wetter bei sehr angenehmen Temperaturen. Für die Fahrt über den Icefield Parkway lasse ich mir reichlich Zeit und verbinde meine relativ kurzen Tagesetappen mit schönen Wanderungen. So gelange ich dann über Sunwapta Falls, Columbia Icefield und The Crossing nach Lake Louise. Auf diesem Streckenabschnitt laufen wir wieder viele Wildtiere über den Weg: Bären, Elche, Red Deer, White tailed Deer und Kojoten. In Lake Louise gibt's dann wieder eine kleine Reiseunterbrechnung mit einer großen Rundwanderung. Auch in dieser Region gibt's reichlich Bären. Der für Zelte reservierte Teil des Campingplatzes am Rande des Dorfes ist dann auch vorsorglich mit einem stabilen Elektrozaun gegen eindringende Bären abgesichert. Eine etwas gewöhnungsbedürftige, aber wahrscheinlich sinnnvolle, Sache. Ich liege gut im Zeitplan und kann mir daher noch einen kurzen Abstecher nach Banff leisten. Auch hier gibt es wieder viel Wild, und das mitten in den Wohngebieten. In der lokalen Presse wird gar von im Bereich der Campingplätze streunenden jungen Grizzlys und von Cougars am Rand von Wohngebieten berichtet. Etwas außerhalb hat man vor einien Tagen einen Wanderweg vorübergehend geschlossen, weil ein junger Grizzly in ein Zelt eines in der freien Natur campierenden Wanderes eingedrungen sein soll. Mir fallen in den Grünzonen des Ortes wiederholt Kojoten auf. Na ja, ist halt ein Ort mitten in der Wilderness! Jetzt führt mich meine Route durch die Kootenay Rockies über Radium Hot Springs bis Cranbrook. Das benachbarte Kimberley nennt sich stolz "Bavarian City of the Rockies". Wenn das mal kein Grund ist, hier eine kurze Pause einzulegen und mal nach Kimberley zu fahren! Kimberley ist eine alte Bergbaustadt, die sich nach Schließung der Grube auf die Vermarktung der landschaftlich recht schönen Umgebung besonnen hat und sich jetzt als netter Ort mit alpenländischem Flair präsentiert. Ab jetzt folge ich dem Crowsnest Highway (oder HWY 3). Diese Straße führt mehr oder weniger dicht entlang der Grenze zu den USA in Richtung Vancouver. Zunächst fahre ich bis Creston. Dann verlasse ich den Crowsnest und mache einen Schlenker nach Norden entlang des Kootenay Lake bis nach Crawford Bay. Dann per Fähre über den See und weiter nach Nelson. Hier unterbreche ich mal wieder für eine schöne Wanderung in den Bergen rund um Nelson. Dann geht's nach Castlegar, wo mich mal wieder ein etwas größerer Hügel begrüßt. Jetzt kann ich die schön asphaltierte Straße über den Hügel oder die rauhe Piste des östlichen Endes des Kettle Valley Trail nutzen. Eine mir aus Westen entgegenkommende Radlerin schildert mir den Hügel als recht anstrengend aber zum Trail kann sie keine Aussagen machen. Ich schaue mir dann mal nach dem Motelbezug in Castlegar den Trail an. Schon die Zufahrt war etwas "abenteuerlich", keine Ausschilderung und irgendwie über einen riesigen Lagerplatz des lokalen Holzverarbeiters. Der Trail machte zunächst einen sehr guten Eindruck. Landschaftlich schöne Strecke und recht ordentlicher Untergrund. Aber dann kamen doch recht rauhe Stellen, die mir für mein doch recht schwer beladenes Rad als weniger einladend erschienen. Also bleibe ich auf der asphaltierten Straße, auch wenn die zu erwartende Steigung etwas anstrengender sein dürfte. Aber ganz so anstrengend wie erwartet, war es nun auch wieder nicht. Zwischendurch konnte ich ab und an mal einen Blick auf die Trasse des Kettle Valley Trail werfen. Das ist ja wirklich eine amtemberaubende Wegeführung. Wenn man einmal auf dem Trail ist, kann man zwischen Castlegar und Christina Lake nicht mehr ausweichen. Da muss man dann durch, egal, wie sich das Wetter entwickelt, welche Tiere einem begegnen oder ob ein kleiner Bergrutsch irgendwo den ohnehin schon schmalen Trail noch weiter einengt. In Christina Lake versuche ich nochmals, über den Trail zu fahren. Aber auch hier ist das nicht die reine Freude. Zunächst behindern mich einige Gatter, dann folgt recht rauher Untergrund. Schnell weiche ich wieder auf den hier nahezu paralell zum Trail verlaufenden Crowsnest Highway aus. Über Rock Creek komme ich dann in das herrlich gelegene Osoyoos im Okanagan District. Okanagan ist ein Gebiet mit großräumigem Wein-, Obst- und Gemüseanbau. hier ist es meist sehr sonning und warm. In dieser schönen Gegend bleibe ich für zwei Nächte. Dann geht es über den Richter Pass in die alte Goldgräberstadt Hedley. Das beständig schöne Wetter mit den guten Fernsichten nutze ich hier zu einem Ausflug in die hoch in den Bergen über Hedley gelegenen alten Mascot Goldmine. Ich schliße mich hierzu einer von dem lokalen Indianerstamm organisierten geführten Tour an. Schon allein die Busauffahrt über die schmale Schotterpiste mit den imposanten Ausblicken über das weite Tal hatte sich gelohnt! Jetzt sind es nur noch wenige Kilometer bis Princeton. Hier mache mal wieder eine Pause um mal eine grßößere Teilstrecke des Kettle Valley Trail ohne Gepäck zu befahren. Und wieder habe ich den selben Eindruck, wie bei meinen beiden vorhergehenden Versuchen, diesen Trail zu befahren. Es ist eine wirklich phantastische Wegeführung durch herrliche Landschaft. Über weite Strecken ist der Trail zumindest mit einem robusten Mountain Bike gut befahrbar. Aber für mein Reiserad mit 32er-Bereifung ist dieser Trail auch ohne Gepäck nicht immer das reine Vergnügen. Der gesamt Kettle Valley Trail wird ja von einigen Radreiseveranstaltern recht agressiv vermarket. dabei wird dann mal so ganz nebenbei der Eindruck vermittelt, dieser Trail sei gerade für etwas leistungsschwächere Radler wegen der durchgehend geringen Steigungen besonders zu empfehlen. Ich kann diesen Eindruck nicht bestätigen. Für eine Radtour mit Gepäck hätte ich erhebliche Bedenken, diesen Weg leistungsschwächeren Radlern zu empfehlen. Da sollte man lieber in Erwägung ziehen, bei der asphaltierten Alternative mit teilweise recht steilen Passagen einige Kilometer das Rad bei Bedarf zu schieben! Von Princeton geht es dann langsam aber stetig aufwärts in den Manning Park. Das ist eine herrliche Gegend mit excellenten Wandermöglichkeiten. Nach einem schönen Tag mit einer langen Wanderung geht es dann noch ein kurzes Stück hoch bis zum Pass und dann nur noch abwärts nach Hope. In der Nähe von Hope ist mit den Coquilhalla Tunnels eine der besonders spektakulären Stellen des Kettle Valley Trails. Leider ist es jetzt etwas regnerisch. Deshalb mache ich statt einer Radtour eine Fußwanderung zu diesen Coquilhalla Tunnels. Zu meiner Verwunderung sind einige Barrieren so verschlossen, dass man mit einem Fahrrad kaum durchkäme, obwohl auch dieses Stück des Trail als Radweg ausgewiesen ist. Warum die Barrieren verschlossen sind, wird durch keinen Hinweis deutlich gemacht. Später treffe ich dann einige Wanderer, die sich wundern, dass ich direkt von Hope kommend über den Trail zu den Tunnels gelangt bin. Die Barrieren wurden demnach verschlossen, weil sich seit einigen Tagen eine Schwarzbärin mit ihren Jungen dort aufhält. Gesehen habe ich diese Bären zwar nicht, aber vielleicht hat mich die Bärenfamilie beobachtet. Ab Hope ist es nur noch ein kurzes Stück bis Vancouver. In gemütlichen und kurzen Etappen rolle ich über Agazzis, Harrison Hot Springs, Abbortsford und Maple Ridge nach Vancouver. Hier verbleibt mir bis zum Rückflug noch etwas Zeit für einen ausgiebigen Stadtrundgang und eine kurze Wanderung durch den Lynn Canyon Park. Abschließend geht's wieder per Rad zum Flughafen. Anmerkung: Diese Reise war eine recht spontane Entscheidung. Irgendwie hatte ich zwar schon längere Zeit eine Radtour über den Yelloheadhighway im Hinterkopf, aber eine genauere Planung gab es nicht. Dann hatte ich auch noch nach Rückkehr von der Radlerfreizeit mit dem Radsportclub so einige Zweifel über meine aktuelle Kondition. Vorsorglich hatte ich mir daher neben der geplanten und letztendlich auch durchgeführten Route einige Abkürzungen oder sollte ich doch besser sagen, einige "Fluchtrouten" vorbereitet. Das Straßennetz ist ja in weiten Teilen Kanadas nicht besonders eng. Von daher ist die Vorplanung verschiedener Routen kein großer Aufwand. Die Route führt über weite Strecken durch sehr dünn besiedeltes Gebiet. In Prince Rupert wird gar behauptet, hier beginne die Wildniss. Ich war daher darauf eingestellt, dass ich oft keine Alternative zum Camping finden werde. Aber so war es nun doch nicht. In den ersten Tagen der Reise hat mich die kühle und feuchte Witterung vom Camping abgehalten. Dann haben mich die Heerscharen von Mücken gestört. Später hatte ich mich an die höheren Kosten für die Motelaufenthalte gewöhnt und verspürte keine Lust mehr, die zwar schön gelegenen aber meist ohne Trinkwasser und Duschen ausgestatteten Plätze der National- und Provinzialparkverwaltungen aufzusuchen. Auch die Versorgungsmöglichkeiten einschließlich Einkehr auf einen heißen Kaffee lagen nicht zu weit auseinander. Kurzum, mit Ausnahme des Stücks zwischen Prince George und Mc Bride lassen sich stets auch in für Radler gut zu schaffenden Tagesetappen Motels, Lodges oder ähnliche Unterkünfte finden und wenn man tatsächlich ohne Zelt unterwegs ist, wird man sicherlich auch eine Lösung für die Strecke zwischen Prince George und Mc Bride finden. Mein Eindruck war, dass das am Purden Lake befindliche private Camp weitere Unterkünfte in festen Gebäuden einrichtet. Dann wäre auch für diesen Abschnitt eine Tour ohne Zelt mit moderaten Tagesetappen möglich. Und wenn einem das zu unsicher erscheint, könnte man für diese Teilstrecke notfalls auch auf die Eisenbahn ausweichen. Für mich kann ich also rückblickend feststellen, dass ich mir das Mehrgewicht für Zelt, Isomatte und Schlafsack hätte sparen können. Zur Durchführung der Reise habe ich mich mal wieder auf mein GPS-Gerät (Garmin VISTA HCX) verlassen. Passende topografische Karten von British Columbia, einem kleinen Teil Albertas und eine sehr detaillierte Karte von Vancouver konnte ich kostenfrei aus dem Internet laden. Diese Karten haben sich während der Tour als sehr zuverlässig erwiesen. Die vorgesehenen Routen und Alternativen habe ich als Overlay zusammen mit meinen sonstigen Karten und den GPS-Daten mehrerer Motels und Campingplätze auf mein GPS-Gerät geladen. Außerdem hatte ich die vorgeplante Route sowie die Alterntiven als Tracks gespeichert. Mit diesen Daten war die Navigation sehr einfach und ich hatte immer einen Überblick über die noch zu fahrende Strecke, sowohl für den jeweiligen Tag als auch für die noch anstehende gesamte Reststrecke. |
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