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. . . . mit dem Fahrrad diagonal durch Frankreich, . . . durch's Baskenland weiter nach Bilbao |
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21. Juni 134 km / Bergheim die eingeplante Fãhre verkehrt ãhnlich wie die Fãhre Bislich nur temporãr, leider nicht am heutigen Tag. Es hilft jetzt kein Wehklagen wegen fehlender detaillierter Karten. Ich folge mal einfach der Ausschilderung nach Benrath und wähle die Alternative "Rheinschiene". In Benrath gebe ich dann "Zons" ein und werde komfortabel direkt zur Fãhre gefûhrt. Unterwegs wurde ich von einem heftigen Regenschauer überrascht, den ich jedoch recht gut unter dichtem Baumbestand ausstehen konnte. Ein weiterer recht heftiger Regenschauer hat mich dann in Zons begrûßt. Jetzt war ohnehin die passende Zeit fûr eine Kaffepause. Somit konnte ich auch diesen Regen gut ûberstehen. Zur Weiterfahrt hatte ich mich zunächst für die Richtung Rommerskirchen entschieden. Später bin ich wegen der in Richtung Rommerskirchen niedergehenden Schauern Richtung Osten ausgewichen und in einem großen Bogen ûber Dormagen - vorbei an der Raffinerie - ûber Köln-Worringen und Stommeln nach Bedburg gefahren. Das war eine gute Entscheidung. Regenfrei, teilweise recht sonnig und später mit recht heftigem Gegenwind. Diese Kursanpassung erforderter zusåtzlich 25 km zu den geplanten 108 km. Mit dieser spontanen Kursänderung hat das GPS für diese Reise seine erste Bewährungsprobe sehr erfolgreich bestanden. 22. Juni - 70 km / Bad Münstereifel Mit bedecktem Himmel und leichtem Sprühregen starte ich. Leider hat der Bagger bereits die Erft überquert. Um noch etwas von diesem spektakuîåren Transport zu sehen müsste ich schon einen recht großen Umweg machen. Bei der aktuellen Wetterlage schenke ich mir diesen Umweg und fahre lieber auf meiner Reiseroute weiter, man kann ja nicht wissen, wie sich die Wetterlage entwickelt. So insgesamt war die heutige Wetterlage recht ordentlich. Der gelegentliche Sprühregen hat keine großen Auswirkungen gehabt. Die Oberflãchenbeschaffenheit der Wege war im heutigen Abschnitt hãufig recht schlecht - durch die anhaltende Feuchtigkeit der letzten Tage recht aufgeweicht, teilweise auch schlammig. Hierdurch ist das durschnittliche Reisetempo etwas gesunken. Ab Euskirchen hat dann der langsam beginnende Aufstieg in die Eifel zu einer weiteren körperlichen Belastung geführt. Station mache heute planmäßig im auf ca. 300 m Seehöhe gelegenen Bad Münstereifel. 23. Juni - 70 km / Gerolstein Ein großrämiges Sturmtief, starke Boen, viel Regen und heftige Gewitter. Das ist die Wetterprognose für heute. Dafür sieht's morgens in Bad Münstereifel recht freundlich aus. Trocken und Sonne. Auch den Wind spürt man nicht. Kein Wunder, denn schließlich liegt Münstereifel in einem windgeschützten Talkessel. Also dann mal los. Für heute kann ich mir durchaus eine etwas längere Etappe vorstellen. Aber schon bald holt mich die Wirklichkeit ein. Gleich zu Beginn der heutigen Etappe geht's schon in Münstereifel mit zwar kurzen aber giftigen Anstiegen zur Sache. Dann folgen längere Anstiege mit Steigungen von deutlich über 10 %, ja bis zu 14 %. Das ist ja für ein recht ordentlich beladens Rad schon heftig genug. Aber es kommt noch schlimmer: der angekündigte heftige Wind weht mir kräftig entgegen. Selbst in leichten Gefällestrecken ist ohne kräftiges in die Pedale treten gegen diesen Wind kaum ein Fortkommen möglich, von Anstiegen mal ganz zu schweigen. Die ganze Etappe entwickelt sich zu einem immerwährenden Kampf gegen den Wind. So muss ich mich heute mit einer recht kurzen Etappe zufrieden geben. In Gerolstein ist dann für heute Schluss. Im abendlichen Wetterbericht bekomme ich dann die Bestätigung: Das Sturmtief ist mit Windgeschwindigkeiten von mindestens 75 zeitweise auch deutlich über 80 km/h über die Eifel gezogen.. Na ja, dann war's heute doch keine persönliche Schwächeperiode, es war schlicht und ergreifend ein radfahrerunfreundliches Wetter. 24, Juni - 93 km / Konz Mit leichter Wetterbesserung kommt heute ein weniger anstrengender Streckenabschnitt. Zwischen Gerolstein und Trier ist nur noch ein ernst zu nehmender Arnstieg zu bewältigen, dann geht's hinab an die Mosel. Zum Schluss der heutigen Etappe glbt's dann noch ergiebigen Regen und Gewitter. Für heute soll daher in Konz Schluss sein. 25. Juni - 24 km Es wurde eine Wetterberuhigung und angenehme Temperaturen angekündigt. Und es sieht auch recht schön aus, wenn nur nicht der mir konstant entgegen blasende Wind nicht wäre. Zwar nicht mehr so statk und böig wie auf der Etappe nach Gerolstein, aber immer noch deutlich wahrnehmbar. Am frühen Nachmittag erreiche ich Thioneville. Zunächst ein café au lait in einem Straßencafé am Marktplatz. Nach einem kurzen Rundgang durch die Fußgängerzone entscheide ich mich dann, hier in Thionville für heute Station zu machen - noch ein oder gar zwei Stunden gegen den heftigen Wind zu radeln, will ich mir fùr heute ersparen. 26. Juni - 84 km Ohne Komplikationen kann ich recht bequem Thionville verlassen. Ich habe wohl bei der Routenplanung die "richtigen" Straßen gewâhlt. Vorbei am Hüttenwerk, durch die Arbeitersiedlung Hayange komme ich unvermittelt an den Rand des Parque Naturell de Lorrain - und nicht nur das, es steht ein recht anstrengender Anstieg um knapp 200 m auf 320 m an. Aber mit diesem Anstieg ist für heute längst noch nicht Schluss. Das Gelände zieht sich in einem fortwährenden auf und ab dahin, unterbrochen von mehreren größeren Abfahrten und wieder folgenden deutlich merkbaren Anstiegen. Die Wetterlage hat sich deutlich verbessert. Die Windgeschwindigkeit hat nachgelassen, die Temperaturen im angenehm frühsommerlichen Bereich. Heute kann man wirklich ohne Jacke radeln! Die Lorraine westlich von Thionville/Metz ist dünn besiedelt und landwirtschaftlich geprägt. Von den Kuppen hat man einen sehr schönen, einen sehr weiten Blick über die Landschaft. Manchmal erinnert mich die ruhige Weite mit den Getreidefeldern an die unendliche Weite Montanas. Ein anderer, kaum zu übersehender Tatbestand sind die vielen Soldatenfriedhöfe aus dem 1. Weltkrieg. Das sollte nicht überraschen, Verdun ist von meiner Reiseroute keine 15 km Luftlinie entfernt. Nach knapp 85 km mache ich heute a Lac de Madine Station. Hier entscheide ich mich für Camping. Und wie es wohl sein musste, setzt nach dem Zeltaufbau leichter Regen ein! Aber es wird dann doch nicht so schlimm. Über nacht bleibt es trocken mit angenehmen Temperaturen 27. Juni / 93 km Mit angenehmen sommerlichen Temperaturen starte ich in die heutige Etappe. Es ist Sonntag. Da muss ich schon etwas genau auf Einkaufsmöglichkeiten achten. Ich habe nahezu alle Vorräte verbraucht; kaum Trinkwasser, kein Snack, kein Frühstück. Zum Glück treffe ich gleich im ersten Ort nach Verlassen des Campingplatzes den ambulanten Bäcker. So kann ich mir als Frühstück ein Croissant und ein weiteres Gebäckstück als Reserve kaufen, Für die Getränke bleiben mir ja noch die Bistros in den Dörfern. Leicht gesagt. Aber heute durchfahre ich nur Dörfer die entweder kein Bistro haben oder es ist - aus welchen Gründen auch immer - geschlossen. Erst gegen Mittag finde ich ein geöffnetes Lokal. Endlich kann ich etwas Kaffee trinken! Zwischenzeitlich hat der Wind wieder stark zugelegt und das Gelände ist mit den vielen "Aufs" und "Abs" auch mal wieder recht anspruchsvoll. Und das Ganze ohne ordentliche Verpflegung. Da darf ich mich nicht wundern, wenn die Kräfte schnell spürbar nachlassen. Nach ca. 70 Streckenkilometer soll etwas abseits meines Kurses eine Auberge sein, meint die Datenbank meines GPS und zusätzlich sehe ich auch entsprechende Reklametafeln. Also mache ich den kleinen Abstecher auch wenn ich hierzu noch zwei recht anstrengende Anstiege bewältigen muss. Und dann stehe ich vor der Auberge und muss zur Kenntnis nehmen, dass der Betrieb gerade Betriebsferien macht. Aber zum Glùck ist gleich nebenan eine Tankstelle mit Getränkeladen, so dass ich mich jetzt ordentlich mit Getränken versorgen kann. Jetzt verspüre ich wieder ordentliche Energiereserven. Damit die Wahrscheinlichkeit größer wird, eine Unterkunft oder zumindest einen Campingplatz zu finden, ändere ich den vorgeplanten Kurs und fahre jetzt in den nordwestlichen Rand der Vogesen in Richtung Neufchateau. Es ist nochmals ein recht welliges Teilstück mit einigen nennenswerten Anstiegen zu bewältigen. Etwa 10 km vor Neufchateau stolpere ich unersehens in ein einfaches Landhotel. Hier soll für heue Schluß sein. 28, Juni / 84 km Von Greux starte ich auf der Alternativroute nach Bannes in der Nähe des Reservoir de Charmes. Hier treffe ich dann wieder auf die vorgeplante Route. Es war eine recht schöne Route, überwiegend auf kleinen kaum befahrenen Straßen, Gleich zu Beginn habe ich Domremy des Pucelles mit dem Geburtshaus der Jean d'Arc durchfahren. Am Ortsrand von Neufchateau konnte ich mich mit einem ausreichenden Getrânkevorrat versorgen. Ein unbeschwerter Radeltag stand mir also bevor. In den Dörfern habe ich auch heute kaum geöffnete Bistros oder dergleichen angetroffen. Aber kurz vor zwei Uhr habe ich in dem Weiler Lenzeul ein recht einladendes kleines Landrestaurant mit einer sehr schönen schattigen Terrasse angetroffen. Da ich die beiden letzten Tage keine ordentlichen Mahlzeiten hatte, nutze ich diese unvermutete Gelegenheit. Später finde ich dann am Reservoir de Charmes und in Bannes weitere Lokale. Es herrschen sehr angenehme Temperaturen bei jetzt nur noch moderaten Windgeschwindigkeiten. Also ein guter Grund auf dem am Rand der Ortschaft Bannes gelegenen Campingplatz für heute Station zu machen. 29, Juni / 98 km Dank einer Straßensperrung und einer äußerst ungünstigen Umleitung die mich in einem großen Bogen mit vielen recht erheblichen Steigungen direkt an eine für Radfahrer gesperrte Srraße fùhrte musste ich mich dann mit allerlei "Bastelei" ùber kleinste Straßen und kleine Weiler mühsam wieder an eine größere Straße, die in meine Reiserichtung führt, heranarbeiten. Das alles bei recht hohen Temperaturen und kaum zu findenden Bistros oder kleinen Läden um zwischendurch neue kalte Getränke zu beschaffen. Aber ich hatte ja vorgesorgt und mir unterwegs von einem netten und hilfsbereiten älteren Herrn meine große Reserveflasche mit frischem Leitungswasser auffüllen lassen. So hatte ich insgesamt 3 Liter Wasser, was dann so eben bis Pleames reichte! Hier habe ich dann nach knapp 100 km am Campingplatz Schluss gemacht. 30. Juni / 100 km Heute lasse ich's mal ganz gemütlich angehen. In Auxonne mache ich erst einmal eine Frühstückspause. Na ja, eigentlich sind es nur zwei Tassen Kaffee und ein Bisquit, aber es vergehen doch 40 Minuten bis ich zur Weiterfahrt starte. Dann geht's zunâchst bis St.-Jean-de-Losne weiter. Hier mache ich dann mit Blick auf die Saône nochmals eine ausgiebige Pause. Das Terrain war ja zu Beginn der heutigen Etappe ausgeprägt wellig mit vielen zwar kurzen aber recht heftigen Anstiegen. Jetzt nach der Mittagspause ist es nur noch "gently rolling country". Der Wind iat moderat. Nur die Temperaturen sind recht hoch und nachmittags steigt die relative stark an. 01. Juli 88 km La Cayette Heute blies mir aus Richtung Massif Central ein recht starker und kühler Wind entgegen. Bis Buxy und durch das schöne burgindsche Weinbaugebiet gab's zwar auch schon einige Steigungen aber was dann später kaum war schon recht "nervig". Da hat man gerade die Kuppe einer ansehnlichen Steigung erreicht, dann geht's mit starkem Gefâlle wieder 'runter nur um nach wenigen hundert Metern erneut steil anzusteigen! 2. Juli / 50 km Villerest Heute soll es wieder deutlich wärmer werden. Aber zunächst bemerke ich nur recht heftigen Gegenwind. Das Terrain ist heute wesentlich leichter zu befahren. Bis Roanne geht es überwiegend abwärts. Die zwischendurch anfallenden Steigungen sind durchweg moderat. In Roanne mache ich einen Abstecher in die Innenstadt. Anschließend fahre ich dann nur noch einige Kilometer bis zur Loire-Staumauer bei Villerest. Ich liege noch fast eine Tagesetappe vor meiner Grobplanung. Ich kann mir daher heute diese kurze Etappe leisten und mich für die bevorstehenden anstrengenderen Etappen über Issoire und Aurilllac etwas ausruhen. 3. Juli / 50 km - Thiers Heute waren es nur 50 km, aber die hatten es in sich! Zunächst ein kleiner Anstieg vom Campingplatz auf die Anhöhe ùber dem Lac de Villestre, dann eine kleine Abfahrt und ein "längeres" Stück eben, Hier überholt mich eine Gruppe französischer Rennradler. Und die wollen nun gerne wissen, wohin es denn, zumindest heute mit all dem Gepäck gehen soll. Nachdem ich ich so grob meine gesamte Route und die heutige Etappe beschrieben habe, ernte ich zunächst etwas ungläubiges Erstaunen, dann Respekt für meine Planung und die besten Wünsche fùr den weiteren Verlauf meiner Tour. Schon bald wird mir klar, warum die Rennradler etwas erstaunt über meine Reiseroute waren. Am nächsten Kreisverkehr liegt Villemontain vor mir. Und es geht nur aufwärts. Zunächst noch moderat, dann immer steiler, teilweise deutlich mehr als 14 %! Gut, an den Kuppen kann man atemberaubende Ausblicke auf die grandiose Landschaft der nordöstlichen Flanke des Massif Central genießen. Aber trotz aller Schönheit der Landschaft - anstrengend ist der Aufstieg mit all' dem Gepäck schon! Bis St-Justien-Chevalet folgen noch drei weitere recht ansprechende Anstiege. Nach einer kurzen Kaffepause steht die nächste Herausforderung dieser Etappe an: über den Col St. Thomas!; zwar nur 930 m aber mit etlichen sehr steilen Zwischenanstiegen! Nach der wieder recht angenehmen Abfahrt vom Col entscheide ich mich in Chabreloche meinen vorgeplanten Kurs fùr eine Weile zu verlassen, Bei dieser Tour wollte ich grunsätzlich nicht über Straßen der Klassifizierung "Route National" fahren. Aber ich möchte gerne einen Abstecher nach Thiers machen und die N 89 macht hier und heute einen durchaus radfahrerfreundlichen Eindruck. Vielleicht liegt es am Termin - wir haben Samstag Nachmittag, oder an der parallel verlaudenden Autobahn, oder an der Gewichtsbeschränkung auf 6 t . Wie dem auch sei, trotz fehlender Randstreifen lässt sich die N 89 sehr gut befahren. Die Route bis Thiers verläuft zunächst durch einen tiefen Geländeeinschnitt und später entlang einer Abbruchkante mit grandiosem Blick bis weit in die Auvergne. Thiers liegt an dieser Abrisskante und von vielen Stellen des Ortes kann man das herrliche Panorama genießen. Thiers ist das französische Zentrum der Messerherstellung. Hierüber habe ich vor nicht allzu langer Zeit einen sehr eindrucksvollen Bericht in ARTE gesehen. Für einen Besuch des örtlichen Museums komme ich zu spät an. Aber auch ohne einen derartigen Einblick in die Geschichte der Messerherstellung ist Thiers diesen kleinen Umsweg wert. 4. Juli / 70 km - Issoire Für den Weg nach Issoire verschaffe ich mir eine gewisse "Marscherleichterung". Von Thiers aus folge ich zunâchst weiter der auch heute relativ schwach befahrenen N 89. Dann folge ich einer moderat hügeligen Nebenstraße bis Billom. Zeitweise folge ich somit wieder der vorgeplanten Streckenführung. Aber kurz vor Vic-de-Compte ändere ich erneut die vorgeplante Route und fahre mit einem großen Schwenker in Richting St-Nectaire über Champeix und Perrier nach Issoire. Hier treffe ich am frühen Nachmittag ein. Zunächst bin ich recht unschlüssig über den weiteren Verlauf des Tages. Aber nach zwei Panaché und einem kleinen Imbis entscheidet die große Hitze. Ich mache wie ursprünglich geplant hier in Issoire Station und übernachte mal wieder in einem hoffentlich recht kühlen Hotel. Aber 4 im Stadtzentrum angefahrene Hotels haben über Mittag ihre Türen geschlossen und öffnen erst wieder am frühen Abend. Aber da gibt es ja noch die Alternative des "automatisierten" ETAP-Hotels am Stadtrand unmittelbar an der Autobahn und dem großen Sportkomplex mit dem städtischen Campingplatz. Und es kommt, wie es heute kommen muß: Natürlich ist die Reception nicht besetzt. Warum auch, schließlich ist das ein "automatisiertes" Hotel. Nur leider ist der Automat zur Zeit en panne (außer Betrieb). Da nützt auch die schönste VISA-Karte nichts. Ohne Vorabreservierung oder Zimmerzuweisung durch den Automaten bleibt die Hoteltüre verschlossen. Gut, in knapp einer Stunde sollen leibhaftige Menschen an der Reception anzutreffen sein. Das dauert mir zu lang. Der Campingplatz ist nahe und dank des schönen Baumbestandes kann man mir dort auch einen recht schattigen Platz zuweisen. 5. Juli / 80 km - St-Flour Heute startete der Tag mit einer zunächst recht undurchsichtigen Wetterlage. Gegenüber gestern hatte es deutlich abgekühlt. Der Himmel war bedeckt, zum Zeltabbau fielen einige Regentroffen. Und in Richtung meiner neuen Routenplanung nach Süden, sah es nicht sehr einladend aus. Großräumig dicke schwarze Bewölkung! Aber was soll's, irgendwie muss ich da jetzt durch und notfalls kann ich ja nach jeweils wenigen Kilometern die Etappe abbrechen und in eines der zahlreichen Hotels an der heutigen Route flüchten. Für die erste Stunde bleibt es bei der unklaren Witterung. Vereinzelt fallen sogar einige Tropfen Regen. Dann hat sich die schwarze Bewölkung in Richtung meines Etappenzieles aufgelöst. Jetzt haben wir blauen Himmel mit etwa 1/8 Bewölkung und die Temperaturen steigen stetig an. Zunächts ist das Gelände noch erwartungsgemäß relativ eben. Die Ausfahrt aus Issoire gestaltet sich etwas verwirrend. Nachdem die gewählte Ausfallstraße nach Süden plötzlich nahezu nahtlos in die Autobahn übergeht, bleibt mir die Wahl entweder zurück oder zum Aerodrome d'Issoire und dann weiter über etwas bessere Feldwege den Weg zur nach Süden führenden Straße der Kategorie D zu suchen. Obgleich meine Karte hier im Detail nicht sehr genau ist, geht die Überlegung auf und ich kann auf der wenig befahrenen Straße meine für heute geplante Route nach St. Flour fahren. Bis Lempdes ist das Terrain moderat hügelig. Dann folgt eine herrliche Fahrt entlang des Alagnon bis kurz vor Massiac. Der "Rest" der heutigen Etappe offenbart dann seine "Tücken". Ich befinde mich halt immer noch inmitten des Massif Central. Das Gelände steigt mehrfach auf Höhen zwischen 800 und 900 m an. Und zum krönenden Abschluss folgt dann noch der Col de Fageole, mit 1114 m der bisher höchste Punkt der Tour. 6. Juli / Ruhetag St-Flour 7, Juli / 78 km - St-Gervais Vielleicht hätte ich den gestrigen Ruhetag besser auf heute verlegt. Von den angekündigten Gewittern bin ich zum Glück verschont geblieben. Aber ganz ohne Auswirkung ist das Wetter für mich dennoch nicht gewesen. Mir blies den ganzen Tag ein höllischer Wind entgegen. Die extreme Böigkeit war auf der zunächsr geplanten stark befahrenen Straße nicht ganz ungefährlich. Ich habe daher zu einer anderen Wegeführung auf weniger befahrenen Straßen umgestellt. Gegen Mittag hat mich der immer stärker werdende Wind zu einer erneuten Kurskorrektur veranlasst. Und dann entwickelten sich in meiner Reiserichtung dunkle Gewitterwolken. Also nochmals Kursänderung. So bin ich dann am späten Nachmittag nach einer gewissen "Irrfahrt" auf dem Campingplatz am Stausee von St.-Gervais gelandet. 8. Juli / 87 km - Cardenac Heute war es relativ kühl beim Start der Etappe in St-Gervais auf knapp 800 m Seehöhe. Dann kommt noch hinzu, dass es heute im wesentlichen abwärts geht. Zunächst an den Gorge de Tryere und später weiter immer am Lot entlang in Richtung Westen. Später - so auf Höhen unter 300 m - wird es dann doch noch angenehm warm. Jetzt stört nur der wieder recht stark gewordene Wind aus West. Station mache ich heute in Cardenac. Hier treffe ich auch wieder auf die vorbereitete Route. 9, Juli / 84 km - Cahors Heute war es ein rundherum angenehmer Radeltag. Herrliche Landschaft entlang des Lot, angenehmes Terrain mit nur wenigen, aber sehr moderaten Steigungen. Durch diese Region führt auch eine Route des bekannten Wanderweges Camino de Campostelle". Daher ist diese Region offensichtlich ein auch unter Reiseradlern sehr beliebtes Gebiet. Schon lange habe ich unterwegs nicht mehr so viele Reiseradler wie heute angetroffen. Auch mit der Wetterlage konnte ich mehr als zufrieden sein. Es war zwar für die Jahreszeit in dieser Region recht kùhl, aber für's Radfahren war es nahezu ideal. Auch von den sich gelegentlich bildenden Regenschauern bin ich verschont geblieben. Lediglich einige Kilometer vor Cahors bin ich durch den Rand eines kleineren Niederschlagsgebietes gefahren. Aber richtig nass geworden bin ich nicht. Lediglich als ich mein Gepäck im Hotel etwas geordnet habe ging ein kurzer und kräftiger Regenschauer über Cahors nieder. Aber anschließend war wieder bestes Wetter um einen kurzen Stadtbummel zu machen. 10. Juli / Cahors Heute erlaube ich mir einen weiteren Ruhetag. Den Vormitag verbringe ich mit einem Bummel durch die Innenstadt und über den Markt. Über Mittag mache ich einen kurzen Aufstieg auf einen der Aussichtshügel rund um Cahors. Anschließend gab's dann noch eine kleine Bootsfahrt und etwas Lifeübertragung von der Tour de France. 11. Juli / 87 km - Agen Zunächst gibt es einen kleinen Aufstieg aus dem Lot-Tal in die Weinhügel südlich von Cahors. Dann folgt eine lange Fahrt mit durchweg geringem Gefälle und immer wieder einige kurze Aufstiege. Die ganze Etappe könnte also durchaus recht gemütlich verlaufen, wenn da nicht der höllische und relativ kalte Gegenwind wäre. Für die Landschaft so auf halbem Weg zwischen Lauzerte und Agen habe ich wohl genau den richtigen Zeitpunkt erwischt. Das sanft hügelige Gelände wird landwirtschaftlich genutzt. Jetzt wechseln sich hellbraunen Farbtöne der erntereifen oder gerade abgernteten Getreidefelder mit in voller Blùte stehenden Sonnenblumenfeldern ab. Dazwischen viel frisches Grün. Alles zusammen eine wunderschöne Symphonie voller Sommerfarben! Nach der Ankunft in Agen Bezug des Hotels und Beobachtung des packenden Schlussprints der heutigen Etappe der "Tour" macht sich der starke Gegenwind doch noch bemerkbar. Es überkommt mich schnell eine große Müdigkeit. Es ist Sonntag und es herrscht heute kein besonders sommerliches Wetter. Die Stadt wirkt irgendwie leer und verschlafen. Die einigen Aktivitäten die ich hier und heute ausfindig machen kann, sind einige Männer beim Boule in einer kleinen Grünanlage am Ufer der Garonne. 12. Juli / Agen Die Wetterlage ist etwas undurchsichtig. Alles grau in grau. Ich will mir dann heute unsere Partnerstadt nochmals und etwas genauer ansehen. Agen ist offenichtlich deutlich älter als das mit 730 Jahren noch relativ "junge" Dinslaken. Überall kann man hier in Agen Spuren der Vergangenheit, die bis in die Römerzeit zurück gehen, beobachten. Es gibt Spuren des 100-jährigen und des Religionskrieges. An einigen Stellen sind malerische Ensembles mittelalterlicher Bebaung erhalten und schön restauriert. Und was mir noch so aufgefallen ist: Im Gegensatz zu vielen anderen Orten auf meiner bisherigen Reiseroute habe ich an der von mir befahrenen Einfallsstraße beim Ortsschild "Agen" nicht den geringsten Hinweis auf die bestehende Städtepartnerschaft mit Dinslaken gesehen. Im Vergleich hierzu wird bei uns in Dinslaken aus der Partnerschaft nahezu ein "Kult" gemacht; mit Kilometeranzeiger im großen Kreisverkehr inder Stdtmitte, mit dem Place d'Agen vor dem Rathaus. 13. Juli / 97 km - Roquefort Nach einigen Kilometern durch recht starken Verkehr kann ich auf eine recht ruhige Nebenstrecke ausweichen. Langsam geht es aufwärts in die schöne, sanft gewellte Gascogne. Der größte Teil der heutigen Etappe führt durch eine landwirtschaft sehr unterschiedlich genutzte Region: Weinbau, Weizen, Sonnenblumen und Mais. Und zwischendurch immer wieder einzelne Baumgruppen, manchmal auch kleine Wälder. Die unterschiedlichen Grüntöne, das Braun der Weizenfelder, die in voller Blüte stehenden Sonnenblumen verleihen dieser leicht welligen Landschaft einen besonderen Reiz. Auf dem letzten Teilstück der heutigen Etappe war der Maisanbau vorherrschend. Stellenweise bildete der recht hohe Mais fast schon richtige "Sichtschutzzäune" entlang der Straßen. Ein Bild, wie ich es sonst nur im sommerlichen Münsterland erlebt habe. 14. Juli / 90 km - Lit et Mixe Heute geht es in einer leichten und flachen Etappe durch das große Waldgebiet der Gascogne an die Küste in Richtung Bayonne. Diese Region hat lange Zeit fast ausschließlich von der Forstwirtschaft gelebt. Ein besonderer Schwerpunkt war die Gewinnung von Harz aus den großen Kiefernbeständen. Heute wird zusätzlich Landwirtschaft betrieben. In kleinen und gößeren Lichtungen wird in großem Stil Mais angebaut. Ein weiteres Standbein im Hinterland der Küste ist eine behutsame Entwicklung des Tourismus. Nach 90 km lasse ich es heute am frühen Nachmittag in Lit et Mixe genug sein. Es ist von hier nur noch eine Etappe bis in die Region Bayonne/Biarritz. Gegenüber meiner Reiseplanung habe ich mehrere Tage Reserve. Eine kurze Pause in der Region Biarritz/San Sebastian liegt daher nahe. 15. Juli / 37 km - Vieux Boucau Heute geht's zunächst mit einer unangenehmen Überraschung los. Im Hotel/Restaurant ist niemand anwesend. Ich kann zwar das Hotel verlassen, aber mein Fahrrad steht im fein säuberlich verschlossenen großen Speiseraum des Restaurants. Kein Rütteln oder Klopfen an den Türen zaubert irgend jemand herbei. Bis auf eine Ausgangstüre in der Diele sind alle Türen und Fenster verschlossen! Das kann ja heiter werden. Wer weiß, wann die Leute aufwachen und ihren Laden wieder öffnen. Der gerade eintreffende Postbote oder die Leute in der gegenüber liegenden Bäckerei können auch nicht weiterhelfen. Zwar gibt man sich alle Mühe und versucht durch lautes Rufen den Restaurantbetreiber herbei zu locken. Alles vergebens! Jetzt das Haus anzuzünden und so die Feuerwehr zur Hilfe zu rufen ist ja auch keine Lösung. Ich habe ja gegenüber der Vorplanung eine gewisse Reserve. Notfalls muss ich halt noch einen Tag hier bleiben. Also dann mal ins benachbarte Restaurant zum Frühstück. Dann sehen wir weiter. Jetzt hat sich das "Problem" von selbst erledigt. Ins Hotel zieht etwas Leben ein. Mit nur geringfügiger Verspätung kann ich die heutige Etappe starten. Bei herrlichem Sommerwetter wird es eine recht gemütliche "Trödeletappe". In Leon mache ich mit einem Abstecher an den Étang eine erste ausgiebige Pause und nur wenige Kilometer weiter in Vieux Boucau soll es dann für heute reichen! Jetzt bin ich unmittelbar an der Küste. Der Tourismus nimmt deutlich zu. Die Preise sind um einiges höher, auf den Straßen sind mehr nervöse und relativ agressive PKW-Fahrer unterwegs. Heute morgen hatten wohl fast nur noch Berufskraftfahrer die angemessene Gelassenheit, einen schwer mit Gepäck beladenen Radfahrer in Engstellen und an Steigungen nicht zu bedrängen. Vieux Boucau-les Bains liegt an einer kleinen Lagune. Neben der am Strand gelegenen gewachsenen Altstadt wurde an der Lagune die recht gut gelungene Feriensiedlung Port d'Albret eingerichtet. Trotz der jetzigen Hauptsaison sind die Strände und die sonstigen touristischen Einrichtungen nicht ùberlaufen. Lediglich an den beaufsichtigten Strandabschnitten sind gewisse Gästekonzentration zu beobachten. Aber überall ist deutlich weniger Gedrängel als in den Tourisrenzentren des Mittelmeerraumes. 16. Juli / 54 km - Biarritz Den "Rest" dieser Tour werde ich in einige kurze Etappen aufteilen. Ich werde so jeweils bis etwa mittags fahren und habe dann ausreichend Zeit, mir die Gegend anzuschauen. Für heute habe ich mich auf die kurze Etappe über Capbreton nach Biarritz beschrânkt. Leider habe ich den Abzweig zur Nebenstrecke über die D 85 in Richtung Bayonne übersehen. Ich musste daher im recht dichten Verkehr der N 10 nach Bayonne hineinfahren. Von hier konnte ich dann wieder die vorgeplante Route auf überwiegend ruhigen Straßen aufnehmen. Nach einer kurzen Pause am schönen Strand unterhalb der Steilküste von Chambre d'Amour bin ich dann langsam in das quirlige Biarritz gerollt. Hier konnte ich auch noch recht schnell ein bezahlbares" Zimmer auf dem Plateau oberhalb des alten Hafens finden. 17. Juli / Biarritz Heute ist es mal wieder ein ruhiger Tag in Biarritz. Leider ist das Wetter nicht mehr ganz so schön. Es bleibt den ganzen Tag bedeckt, aber mit sehr angenehmen Temperaturen. Und damit es mir hier in Biarritz mit der Radelpause auch nicht langweilig wird, hat man das "Biarritz Surf Festival", oder sportlich augedrückt, die Surfweltmeisterschaften organisiert. Es sind Teilnehmer aus allen Teilen der Welt bis nach Hawaii und Neuseeland angereist. Darum ist es nicht verwunderlich, dass hier bei dieser Veranstaltung viel und sehr gut englisch gesproche wird. Na gut, vorherrschend bei den offiziellen Ansagen ist die südkalifornische Prägung der englischen Sprache! Mir sagen zwar die Namen der Wettbewerbsteilnehmer nichts. Aber es ist schon imponierend, wie diese Burschen ihre Surfboards beherrschen. Und eine Augenweide ist der Wettbewerb im Tandemsurfen! 18. Juli / 55 km - San Sebastian Der geringe Verkehr auf der N 10 veranlasst mich, entgegen meiner Routenplanung auf direktem Weg nach Saint Jean de Luz zu fahren. Dann geht es weiter auf der Corniche de Basque nach Hendaye, Es ist eine traumhafte Strecke durch sehr hügeliges Gelände unmittel entlang der Steilküste. Schade, dass heute das Wetter nicht so richtig mitspielt. Die Temperaturen stimmen! Aber es ist alles "grau in grau" Hohe Luftfeuchtigkeit! Manchmal spürt man auch etwas Niederschlag auf der Haut. Heute fühle ich mich doch zeitweise an die schönsten Phasen meiner Tour entlang der Oregon-Küste erinnert Auch hier hatte ich jeden Vormittag durch den mehr oder weniger dichten Seenebel zu radeln, welcher der Landschaft einen ganz besonderen Reiz verliehen hatte! Und so bin ich dann schnell an der spanischen Grenze. Ohne dass ich es so richtig merke bin ich auch schon in Irun. Irun und San Sebastian hätten vor knapp 40 Jahren fast zu meiner zweiten Heimat werden können. Hierzu hatte ich einen interessant erscheinenden Arbeitsvertrag mit einem in seiner Branche recht bemerkenswerten Marktanteil haltendem Unternehmen unterschrieben. Ich sollte so eine Art Controlling für die in Irun ansässige spanische Tochterfirma aufbauen. Nur hatte man mir verschwiegen, dass die Mehrheit dieser spanischen "Tochter" bei drei Spaniern lag, die selbst in ihren übelsten Albträumen nicht daran dachten, einen Vertrauten des deutschen Namensgeber und Minderheitsbeteiligten mit einer solchen Aufgabe zu betrauen. So ist dann aus diesem reizvollen Ansatz nichts geworden. Irun war damals für mich nicht mehr als irgendein Dorf im spanischen Baskenland, unweit von San Sebastian. Meine ganz persönlichen Interessen für den angedachten beruflichen Einsatz in Spanien waren mehr auf San Sebastian ausgerichtet. Jetzt bei der Durchreise konnte ich feststellen, dass Irun keinesfalls ein Dorf irgendwo am Rande der Pyrineen sondern eine Stadt beachtlicher Größe ist. 19. Juli / San Sebastian Ein schwül-heißer Tag in San Sebastian. Vormittags geht es noch halbwegs ordentlich mit einem Spaziergang zum Alten Kastell und zur Christusstatue hoch über dem Hafen. Vom Kastell hat man einen sehr schönen Blick auf die Bucht und die Stadt. Nach dem Abstieg folgt ein Gang durch die Altstadt zurück zum Hotel. Nach einer kurzen Pause breche ich dann nochmals zu einem Spaziergang bis an's westliche Ende der Bucht auf. Es wird zunehmend schwüler. Im Nordwesten ist der Himmel schon tiefschwarz. Und die ganze Bescherung zieht unaufhörlich in Richtung San Sebastian. Dem heraufziehenden Gewitter weiche ich lieber aus und kehre zum Hotel zurück. Dann geht es auch schon los. Erst wolkenbruchartiger Regen. Dann prasselt so etwa 5 bis 10 Minuten lang nahezu taubeneigroßer Hagel nieder. Mit weiterem lang anhaltendem Regen, Blitz und Donner geht das Gewitter über San Sebastian nieder. Dann kehrt Ruhe ein. Stille und angenehme Luft liegt über Bucht. 20 Juli / 29 km - Zarautz Zur Vermeidung der stark befahrenen Nationalstraße N 634 wollte ich San Sebastian über das Dorf Igeldo in den Bergen westlich von San Sebastian verlassen. Bei der ursprünglichen Planung war mir jedoch nicht bewusst, dass diese Straße zu einem erheblichen nicht asphaltiert ist. Und wie dieses Teilstück irgendwo in den Bergen nach dem gestrigen heftigen Gewitter mit Hagelschlag heute beschaffen ist, will ich mir weder vorstellen, noch im Detail in Augenschein nehmen! Also entscheide ich mich, es doch zumindest bis Orio auf direktem Weg über die N 634 zu versuchen. Zunächst geht es durch die Bucht und dann durchs Universitätsviertel auf schönen Radwegen neben dem dichter werdenden Verkehr. Dann endet der Radweg abrupt und ich stehe vor der Zufahrt zu den Nationalstraßen und der gebührenpflichtigen Autobahn. Ein recht eindeutiges Verkehrszeichen "Kraftfahrzeugstraße" signalisiert, dass diese Straße wohl für Radfahrer gesperrt ist. Direkte Verbotsschilder, wie ich sie auf dem Teilstück zwischen Irun und San Sebastian wiederholt gesehen habe, fehlen zwar, aber ich will mir dann doch lieber einen anderen Weg suchen. Es bietet sich eine relativ wenig befahrene Straße durch ein Gewerbegebiet an, die sich jedoch schon recht bald in einen recht steilen Erschließungsweg zu einigen landwirtschaftlichen Betrieben wandelt. Mir ist ohne genaue Karten dieser Weg zu unsicher und ich kehre daher wieder zu der großen Ausfallstraße zurück. Bei ganz genauem Hinsehen lässt sich sagen, dass das Verkehrszeichen "Kraftfahrzeugstraße" erst in einigem Abstand von der Einmündung entfernt steht und aus der Perspektive eines Radfahrers nicht unbedingt wahrgenommen werden muß, ich entscheide mich daher, doch über diese Straße zu fahren. Es geht eine recht steile Rampe hinauf, der Verkehr wird dichter. Auf einer jetzt vierspurigen "Autobahn" geht es aus San Sebastian hinaus. Jetzt gibt es kein zurück mehr, wenn mich nicht die Polizei dazu veranlasst! Zum Glück gibt es eine schmale mit "SOS' bezeichnete Standspur, auf der ich ohne Behinderung des starken Autoverkehrs fahren kann. Na ja, so ganz ohne meine amerikanischen "Freeway-Erfahrungen" käme ich mir hier wahrscheinlich völlig deplatziert vor. Aber da von den anderen Verkehrsteilnehmern niemand offenkundig Anstoß an meiner Anwesenheit auf dieser Autostraße nimmt, fahre ich dann einfach weiter bis zur Ausfahrt nach Usurbi. Dann geht's auf der N 634 weiter Jetzt ist es zweifelsfrei legal dafür aber auf der recht schmalen Straße fast immer ohne Randstreifen reichlich "nervig", ja vielleicht sogar gefâhrlich! Ich bin zwar nicht der einzige Radfahrer hier und heute, aber die Straße ist nun mal recht eng und irgendwie müssen die großen Lastkraftwagen hier durch! In Orio muß ich daher erst mal eine kleine Pause einlegen. Dann entscheide ich mich doch, zumindest noch bis Zarautz auf der N 634 zu verbleiben. Hier in Zarautz folge ich dann mehr spontan als gut geplant der Ausschilderung zu einem Campingplatz. Nach einem längeren und recht steilen Anstieg lande ich dann auf einem schönen Campingplatz hoch über den Dünen und dem Strand von Zarautz. Die Gewitterstörung scheint, wie schon im Wetterbercht angekündigt, durchgezogen zu sein. Es ist wieder einmal ein herrlicher Sommertag mit angenehmen Temperaturen. Gleich morgens so um die 22 und später knapp 30 Grad. Durch die im Vergleich zu gestern recht geringe Luftfeuchtigkeit empfinde ich diese Temperaturen als sehr angenehm. Das Gelände ist sehr hügelig mit einigen recht steilen Anstiegen. Aber an den Kuppen oder an den Graten wird man immer mit schönen Aussichten auf die reizvolle Landschaft belohnt. Das Ganze wird etwas durch den über der Landschaft liegenden Dunst beeinträchtigt. Aber man kann halt nicht immer alles haben! Über einen Wanderweg kann man vom Campingplatz an den schönen Strand von Zarautz herunter laufen. Der Strand hat eine schöne Brandung ist daher bei Surfern sehr beliebt. Auch Zarautz vermittelt mit seinen vielen alten und schönen Häusern eine sehr positiven Eindruck. Nur wer hier in der Gegend mit Straßenkarten mit ausschließlich spanischen Ortsbezeichnungen reist, kann gelegentlich ins Grübeln kommen. Manchmal gibt es halt nur baskische Bezeichnungen! 21. Juli / 44 km - Eigolbar Heute geht es über eine landschaftlich sehr schöne Strecke nach Eilgolbar. Tief eingeschnittene Täler durchziehen diese herrliche Berglandschaft. Die Berge sind an einzelnen Stellen um die 1000 Meter hoch. Neben der schönen Landschaft ist diese Region auch recht stark industrialisiert. Das bedeutet leider auch auf den vermeintlichen Nebenstrecken einen recht starken Lastkraftwagenverkehr. Die engen Täler ermöglichen neben den Flüssen meistens nur knapp zweispurige Straßen ohne Randstreifen. Man muß da als Radfahrer ganz gehörig aufpassen. Heute ist es wieder recht schwül. Daher lasse ich es mal wieder bei einer kurzen Etappe. 22. Juli 50 km / Mundaka Heute wird's mal wieder ein hochsommerlicher Tag. Schon morgens, kurz vor neun, haben wir bereits 27 Grad. Und dann stehen da auch so einige Berge im Weg. Zwar nur so etwas über 300 meter, aber die Aufstiege sind recht steil und beginnen jeweils in Tallagen so zwischen 50 und 80 Meter! Es soll daher auch heute wieder eine recht kurze Etappe werden. Ich bin jetzt so nahe bei Bilbao, dass ich immer bei Bedarf in einer Tagesetappe das Ziel erreichen kann. Kurz vor Bermeo finde ich in Mundaka einen schön gelegenen Campingplatz. Nur die einzelnen Parzellen sind extrem klein. Na ja, ich will eh nur eine Nacht bleiben und überleben werde ich diese unsinnige Enge wohl. Nur etwa einen Kilometer entfernt liegt der kleine Ort Mundaka. Im kleinen Hafen dümpeln so allerhand Boote. Über allen weht die baskische Fahne. Rund um den Hafen sind einige Kneipen und Restaurants. Das ganze Viertel strahlt einen bezaubernden Charme aus.' Irgendwie muss hier und heue besonderer Tag sein. In vielen Geschäfen hängt ein Hinweis, dass heute nachmittag ausnahmsweise geschlossen ist. Alle Kneipen sind offenkundig mit Einheimischen überfüllt. Viele Männer laufen in auffälliger einheitlicher Bekleidung herum, die offenkundig an die traditionelle Bekleidung der Fischer erinnern soll. Und als ich mich entschließe abends nicht in dem recht ordentlichen und nicht gerade billigen Restauran in der Nähe des Campingplatzes zu essen, sondern nach Mundaka zu gehen, werden letzte Zweifel beseitigt. Der ganze Ort ist vom Lärm der feiernden Einheimischen erfüllt. In einem der Resaurants noch einen Platz zu finden ist pure Illusion! Aber es gibt auch hier die typischen spanischen (oder baskischen?) Tapa Bars, wo ich dann doch noch etwas essen kann. 23. Juli / 62 km - Bilbao Heute geht's dann mit der letzten Etappe nach Bilbao. Zunächst stehen westlich von Bermeo noch so einige Hügel im Wege. Nicht besonders hoch, dafür aber an manchen Stellen extrem steil. Und warm wird es heute auch. Schon kurz nach acht 24 Grad, rapide steigend. Zur Abrundumg haben wir hier und heute auch noch eine rech hohe relative Feuchte! Es wird also eine recht schweißtreibende, angstrengende Etappe. Bis Bakio verbleibe auf der schönen aber auch anstrengenden Küstenstraße. Dann entscheide ich mich auf die stärkere befahrene Straße von Bakio in Richtung Südwesten, direkt Richung Bilbao auszuweichen. Aber auch hier ändert sich die Topografie nur unwesentlich. Bei Mungia stoße ich dann auf die Schnellstraße nach Bilbao. Als Radfahrer muß ich erst einmal durch die Stadt um dann Zugang zu den weniger stark befahrenen Straßen zu finden. Der Flughafen liegt nicht besonders weit abseits meiner jetzt gewâhlten Route nach Bilbao. Also schaue ich mir mal die Örtlichkeiten an. Da ich auch noch passend zu einer Abfertigungszeit von HLX am Flughafen eintreffe, will ich mich dann auch erkundigen, ob sich evt. irgendwelche Änderungen für meinen Rückflug ergeben haben. Leider gerate ich an keinen besonders auskunftsfreudigen lokalen Mitarbeiter der HLX. Man knurrt mir nur entgegen, mein Flug sei ja erst in der nächsten Woche, da wisse man heute noch nichts und ich könne ja so ein oder zwei Tage vor Abflug anrufen. Na gut, lassen wir das. Dann mal auf nach Bilbao. Den direkten Weg vom Flughafen aus kann ich nicht nehmen. Das ist eine für Radfahrer gesperrte Schnellstraße. Also suche ich mir einen Weg über Debo. Aber hier scheint der extrem steile Anstieg auch nur zur Autobahn zu führen. Wieder zurück und durch Sondika. Gleich hinter Sondika stolpere ich in ein großes Industriegebiet. Schlußendlich muß ich dann über eine autobahnmäßig ausgebaute Straße über den Akxantra hoch und dann im dichten Autoverkehr in das Zentrum von Bilbao. Dieses restliche Teilstück war recht nervig: heiß, schwül, staubig. In der Innenstadt wird's dann wieder richtig schön. Es bleibt zwar heiß und schwül, aber die Sadt hat ein gewisses Flair! Entlang des Flusses hat man eine schöne Promenade angelegt. Das Guggenheim" strahlt mit faszinierender Architektur. Der Plaza Federico Moyua, die Gran Via und das malerische Casco Viejo - alles wetteifert um die Gunst der Besucher. So ganz zufällig bin ich dann noch in einem netten kleinen Hotel am Rande des Casco Viejo gelandet. 24. Juli / Bilbao Der Mittelpunkt des heutigen Tages ist das Guggenheim Bilbao Museoa . Neben der beeindruckenden Sammlung zeitgenössischer Kunst ist das Gebäude einen Besuch wert. Überragende Gegenwartsarchtektur, eine meisterhafte Kombination aus Stahl, Stein, Glas und Titan. In dieser "begehbaren Skulptur" bieten sich ständig ändernde Ausblicke auf die Stadt Bilbao, auf die hier und heute gezeigten Kunstobjekte. Allein schon dieses Museum rechtfertigt mein kleines "Anhängsel" an die ursprünglich zum Besuch unserer Partner Agen geplanten Tour diagonal durch Frankreich! 25. bis 27. Juli / Bilbao Einige Tage zum geruhsamen Ausklang in Bilbao. Bummeln in der Stadt, Museumsbesuch, Tapa Bars RESUMEE Jetzt ist die kurze Fahrt durch das spanische Baskenland zu meiner Verwunderung doch noch zu einem der besonders schönen Teile dieser Tour gewordn. Zunächst kam dieser Teil der Reise nur zustande, weil sich mit dem H;X-Flug von Bilbao nach Köln eine recht attraktive und vor allem preisgünstige Rückreisemöglichkeit ergab. Mit dem Baskenland hatte ich bisher nur eine rauhe, von Stürmen geplagte Küste und Schwerindustrie in der Region Bilbao verbunden. Mein erster beruflicher Kontakt mit dieser Region war der Verlust eines Konvertergefäßes für die ENSIDESA infolge rauher See. Die nächsten Erinnerungen sind Aufträge für Altos Hornos de Vizcaja, für das Hüttenwerk in Bilbao. Einige Jahre später wäre es fast zu einem lângerfristigen beruflichen Aufenthalt in Irun gekommen. Irun liegt unmitteibar an der französischen Grenze und nur wenige Kilometer von San Sebastian entfernt. Das wäre sicherlich eine inerressante Zeit in einer landschaftlich schönen Region geworden. Eine andere Frage ist, wie sich die insbesondere in den späten 60er und frühen 70er Jahren besonders heftigen Auseinandersetzungen zwischen den baskischen "Separatisten" und der spanischen Zentralregierung auf meinen Alltag ausgewirkt hätten. Obwohl sich für die Basken in der jüngeren Vergangenheit viel verbessert hat, ist die Auseinandersetzung noch nicht beendet. Der "harmloseste" Teil sind hierbei die überall sichtbaren Fahnen mit den Farben des Baskenlandes. Für mich weit undurchsichtiger sind die vielen Plakate und Graffittis. Hier wird meistens in baskischer Sprache für mehr Autonomie, für Freiheit und mehr oder weniger unverholen für die ETA geworben. In einigen Plakaten in spanischer, französischer und englischer Sprache werden Touristen direkt angesprochen. Bei einer solch kurzen Reise wie meine Tour von Irun bis Bilbao kann man sich hierzu keine abschließende Meinung bilden. Erst an einem Postkartenstand ist mir durch eine Karte mit dem Guernica-Mural" von Pablo Picasso bewusst geworden, dass dieses Guernica eine baskische Kleinstadt ist. Meine Tagesetappe vom 22. Juli hat mich durch diesen Ort geführt. Die leicht geänderte Schreibweise Gernica-Lumo" hat wohl dazu beigetragen, dass mir dieser historische Hintergrund bereits bei der Durchfahrt bewusst geworden war. Na ja, auch insbesondere im Massif Central haben mich mehrere Orte, u.a. Oradour, an die finstere Seite der jüngeren deutschen Geschichte erinnert. Aber im täglichen Umgang mit den Menschen in Frankreich und im Baskenland spielt das zum Glück keine Rolle mehr. Radreisen mit GPS Das war die erste große Reise bei der ich für die Navigation im wesentlichen mit meinem GPS (GARMIN eTrex VISTA) gearbeitet habe. Für die gesamte Strecke von Dinslaken nach Bilbao hatte ich eine Route am PC auf der Basis der Mapsource-Karten Metroguide Version 6 vorbereitet und in 10 Tracks aufgeteilt. Das eTrex Vista kann mit der Geräte-Software Version 3.6 max. 10 Tracks mit max. je 750 Punkten speichern. Die einzelnen Tracks umfassten Streckenabschnite zwischen 80 und 430 km. Bei den längeren Streckenabschnitten konnten nicht alle Abzweigungen und Ortsdurchfahrten detailliert erfasst werden. Dennoch bin ich bis auf ganz wenige Ausnahmen ohne die zur Sicherheit mitgeführten sehr detaillierten Karten des "Institut Geographique National" der Serie TOP 100 ausgekommen. Wenige Tage vor Start dieser Tour konnte ich mir noch ein Verbindungskabel zum Anschluss des GPS an einen etwas betagten Palm m125 beschaffen. Mit dieser Kombination kann man praktisch beliebig viele Tracks vorbereiten, auf dem Palm zwischenlagern und bei Bedarf auf das GPS übertragen. Auf diese Weise müssen die am PC ausgearbeiteten Tracks nicht mehr so stark komprimiert werden. Somit können auch etwas "kompliziertere" Streckenabschnitte detailliert vorbereitet werden, was einen völligen Verzicht auf die Mitführung detaillierter Kartensätze mglich machen könnte. Wegen der bis zum Start dieser Tour verbliebenen nur noch recht kurzen Zeitspanne hatte ich auf eine Überarbeitung der vorbereiteten Tracks verzichtet und stattdessen nur noch eine Alternativroute von Agen über Bordeaux bis Hendaye vorbereitet. Diese Alternative habe ich dann später auch zu einem Teil benutzt. |