...... mit dem Fahrrad
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Lanzarote 2008

 
17. Dezember 1994
Eine Woche vor Weihnachten. So gegn 10.00 Uhr Ortszeit landet die Aero Lloyd-Mascchine in Arrecife. Was wird denn die Last-Minute-Buchung, Status "Fortuna", wohl bringen? Na ja, der Aufenthaltsort ist ja schon bekannt: Playa Blanca, im äußersten Süden der Insel, fast schon auf Fuerteventura. Nicht unbedingt der ideale Ort, um mit dem Fahrrad die ganze Insel zu erkunden. Aber es muß ja auch nicht unbedingt sein. Ich kann mich ja auch auf den Süden beschränken, es soll doch ohnehin ein "gemütlicher" Fahrradurlaub werden. Nach den letzten Anspannungen, nicht ganz ohne negative Auswirkungen auf das gesamte Herz-Kreislauf-System, sollte einfach mal ausruhen vielleicht die richtige Lösung sein. Also, Playa Blanca ist schon in Ordndung. Nur, wo soll ich den dort wohnen? Es wird mir am Flughafen in Arrecife die Bungalow-Anlage Riosol genannt. Dann kann's ja losgehen. Der allgemeine Transferbus ist gut belegt. Für die Mitnahme meines Fahrrades besteht keine Aussicht. Ich kann mir das schon eingeplante Extratrinkgeld für den Busfahrer sparen! Nun muß ich wohl doch ein Taxi nehmen. Ich könnte ja eigentlich direkt mit dem Fahrrad nach Playa Blanca fahren. So weit ist es ja nicht! Aber ob dann mein Koffer an der richtigen Stelle abgeladen wird? Keine Experimente. Im Prospekt war ja schon auf die Einschränkungen für den Transport von sperrigem Sportgerät ein deutlicher Hinweis enthalten. Nun ist es halt eingetreten. Für die Taxifahrt mitsamt Fahrrad wurde mir von den Agentur am Flughafen ein Richtpreis von 5000 Pesetas genannt. Aber der Taxifahrer will keine Pauschale, er sagt nur: Tarifa, Tarifa! Na, denn mal los. Tarifa hin, Tarifa her, so ganz willkürlich werden die Taxameter ja wohl nicht anzeigen! Und richtig! Am Ende sind es nur 3700 Pesetas, bis vor die Haustüre! Ich hätte dem Mann ja am Flughafen auch eine Pauschale von 5000 gezahlt, soll er jetzt ruhig das Wechselgeld bis zu 4000 behalten! Die Anlage Riosol liegt etwas außerhalb von Play Blanca, direkt am Fuße des Montaña Roja. Die Anlage macht einen freundlichen Eindruck und dürfte für meine Zwecke recht geeignet sein. Durch die private Taxifahrt bin ich gut eine Stunde vor dem Bus mit den anderen Reisenden angekommen. Freundlich werde ich noch um etwas Geduld gebeten. Der für mich vorgesehene Bungalow ist noch nicht zur Übergabe bereit. Aber ehe ich Gepäck und Fahrrad in die Anlage geschafft habe, ist man doch so weit - ich kann den Bungalow beziehen. Nette, freundliche Einrichtung, geräumiger Wohnraum mit Küchenzeile, Schlafzimmer mit zwei Einzelbetten, Badezimmer, eine große Terrasse, zwei kleine Innenhöfe und - schöner Blick auf's Meer, hinüber bis nach Fuerteventura. In einem solchen Bungalow könnte ich es schon einige Zeit aushalten. Auch so etwas könnte eine weitere Alternative für die Zeit ab Sommer 1996 sein!

Heute bin ich noch reichlich abgespannt, reichlich müde. Kurz, zu besonderen Aktionen steht mir heute nicht der Sinn! Ich belasse es bei einer ersten Rundfahrt nach und durch Playa Blanca. Der Ort macht einen recht netten Eindruck. Pauschaltourismus auch hier - aber noch fehlen die Massen! Alles recht geruhsam. Das schöne Frühsommerwetter kündigt einen gelungenen Urlaub an. Es bleibt heute bei lediglich 12 km.

18.12.1994 - 92 Tageskilometer -
Die Ruhe in der Anlage, der Abstand vom in jüngster Vergangenheit reichlich turbulenten Alltag, macht sich schon jetzt positiv bemerkbar. Also kann es gleich eine etwas ausgeddehnte Tour werden. Der Wind bläst mir zwar kräftig aus Nordost ins Gesicht, aber bis Teguise, der alten Inselhauptstadt, soll es schon gehen. Parallel zur neuen Straße zwischen Playa Blanca und Yaiza verläuft die alte Straßenführung. Teilweise mit rauhem Belag, aber wenig von Autos befahren und daher ein guter "Radweg". So nach kanpp 10 km passiert man hier die Salinas de Janubio. Hier wurde früher in großem Stil Meersalz gewonnen. Heute lasse ich es bei einem kurzen Blick in die Anlage bewenden. Die Salinas werde ich später besuchen, dann anschleßend auch weiter entlang der Küste bis zum smaragdgrünen Kratersee El Golfo fahren.

Heute geht es weiter Richtung Teguise. Von den Salinen ab führt die Straße direkt entlang von Lava-übersätem Gelände. Yaiza und Uga, nette weiße Orte inmitten der dunklen Lavalandschaft, durchfahre ich. Es geht weiter durch das beeindruckende Weinbaugebiet Geria. Dieses Weinanbaugebiet ist großräumig von Lavaasche bedeckt, von Lavaasche der verheerenden Vulkanausbrüche von 1730 bis 1736. Hier wird die Malvasierrebe angebaut. Für jeden einzelnen Rebstock wurde eine Mulde in die dicke Schicht Lavaasche gegraben und zusätzlich werden die Rebstöcke mit halbrunden kleinen Mauern aus Lavabrocken umgeben. Bis in die Spitzen der Vulkane kultivierten die Bauern in sicherlich mühevoller Detailarbeit dieses Weinanbaugebiet. Sie gestalteten eine beeindruckende Kulturlandschaft, die in dieser Ausprägung einmalig in der Welt sein dürfte. Und was dabei herauskommt, ein gut schmeckender, bekömmlicher Wein, kann sich durchaus sehen lassen!

Der Weg führt mich weiter bis kurz vor San Bartolome. Eine kleine Straße führt nach El Islote. Hier wollte ich ja ursprünglich mein Quartier nehmen. Aber zu vernünftigen Preisen war über Weihnachten nichts mehr zu bekommen. Es geht dann weiter in Richtung Teguise. Dann eine Umleitung durch den Ort San Bartolome. Am Ortsausgang kein Hinweiszeichen. Und so fahre ich erst einmal in die falsche Richtung. Arrecife liegt schon nahe vor mir! Also umkehren. Heute ist Teguise angesagt! Zurück bis zum Monumento al Campesino. Dann weiter nach Nordosten. Noch gut 10 km bis Teguise. Alles bei kräftigem Gegenwind, überwiegend mit leichter Steigung, ausschließlich auf recht rauhem Asphalt. Für einen Aufenthalt in Teguise bleibt nicht allzu viel Zeit. Ein kurzer Bummel über den Flohmarkt und dann geht's zurück. Vorbei am Monumento, durch das Weinbaugebiet Geria, durch Uga und Yaiza. Gegen 5.00 Uhr bin ich zurück in Playa Blanca.

19.12.1994 - 35 Tageskilometer
Nach dem Frühstück zunächst mal eine kurze Erkundungsfahrt durch die westlichen Randbereiche von Playa Blanca. Vorbei an zwei neuen Hotel/Appartmentkomplexen, weiter bis zum Leuchtturm Faro de Pechiguera. Dann möchte ich auf der alten Küstenstraße zurück in den alten Ortskern fahren. Aber so einfach geht das nicht. An vielen Stellen ist diese Straße mit Geröllaufhäufungen oder durch Gräben unpassierbar gemacht. Es hilft alles nichts, ich muß wohl die parallel verlaufende neue Straße benutzen. Warum, das wissen wohl nur die Planer irgendwo in den Amtsstuben! Aber auf der neuen Straße geht's natürlich auch. Vorbei an einigen größeren Baustellen, vorbei an einer der Meerwasserentsalzungsanlagen, komme ich doch noch bis an die Playa Flamingo. Hier will ich etwas einkaufen, eine größere Menge Trinkwasser, Apfelsaft für meine Fahrradtrinkflaschen und - natürlich etwas Wein, Bodega El Grifo. Den Vormittag verbringe ich dann auf der Terrasse meines Bungalows. Es ist herrlich ruhig! Oleander und Hibiscus blühen um die Wette. Dazu eine Vielzahl anderer, schön blühender Gewächse.

Heute mittag will ich dann nochmals ins Dorf fahren, eventuell auch noch die Piste zum Punta del Papagayo befahren.

Zunächst geht es durch ein umfangreiches Straßensystem. Alles fertig. Straßen. Gehwege. Straßenbeleuchtung. Nur die Häuser fehlen noch. Oder die bisher erstellte Infrastruktur bleibt eine Investitionssruine. So sind halt in Spanien die Regeln. Jede Urbanisation beginnt mit dem vollständigen Ausbau des Straßennetzes, erst danach beginnen die eigentlichen Bebauungen - oder auch nicht! Aber die heute durchfahrene Urbanisation kann ja noch werden. Denn schließlich möchte Playa Blanca ähnlich wie Puerto del Carmen werden, sich ein großes Stück vom Tourismuskuchen abschneiden. Dann, am Ende des Straßensystems, muß ich irgendwie Anschluß an die Piste zum Papagayo-Strand finden. Schnell habe ich diese Piste erreicht. Holprig, staubig, steinig. Hier und heute zahlt es sich aus, daß ich noch vor der Reise eine neue Bereifung - Schwalbe Cruiser - aufgezogen habe. Meine alte, leichte und schmale Straßenbereifung hätte hier wohl ihren Dienst versagt. Es geht auf und ab. Gehörig durchgeschüttelt, mit Staub beladen erreiche ich den Strand. Heute ist es die Playa Mujeres, ein Teil der Papagayo-Strände. Klein, gemütlich. Wenig Gäste, keine Restauration, keine Animation, kein Nepp. Kurzum, der Trip hat sich gelohnt! Na, und am Abend sind beim heutigen Ruhetag doch noch 35 km angefallen.

20.12.1994 - 64 Tageskilometer
Heute leicht bedeckter Himmel. Kräftiger Wind aus Nordost. Ich bin noch etwas unentschlossen. Soll ich über die gute Asphaltstraße, über Yaiza oder über die Schotterpiste, am Fuß der Los Ajades entlang direkt nach Femes fahren?

"Natürlich" entscheide ich mich für die Schotterpiste! Zunächst geht's recht ordentlich. Dann wird der Straßenzustand beständig schlechter. Ich habe nur noch die Wahl zwischen einer ausgeprägten festen Wellblechpiste oder den zwar recht ebenen Rändern - aber die sind hoch mit lockerem Material überdeckt. In beiden Fällen ist die Fahrt beschwerlich. Kontinuierlich geht es aufwärts. Und der nicht nachlassende Wind! Aber irgendwie komme ich nach Femes hoch. Hier an der Kuppe macht sich der Wind besonders stark bemerkbar. Kein Wunder, daß heute, zu dieser Zeit, die schöne Aussichtsterrasse nicht bewirtschaftet ist. Aber dem schönen Blick auf die große Rubicon-Ebene, zurück nach Playa Blanca, weiter bis zum Montaña Roja, hinüber bis nach Fuerteventura, tut's keinen Abbruch. Dann geht es weiter. Hinab bis in die Gegend von Uga und dann folge ich der großen Straße in Richtung Arrecife. In Macher biege ich nach Puerto el Carmen ab.

Puerto el Carmen ist D E R Touristenort auf Lanzarote. Zwar ein riesiges Angebot an Gastronomie jeder Art - aber mir ist das noch etwas zurückgebliebene Playa Blanca doch angenehmer. Vielleicht kopiert Playa Blanca beim weiteren Ausbau ja doch nicht einige der allzu wuchtigen Betonburgen von Puerto del Carmen! Aber ansonsten findet man auch hier in Puerto del Carmen überwiegend der Landschaft angepasste Bauten - nur halt relativ viel! Man hat sich halt auf recht viele Gäste eingesgtellt und ensprechend umfangreich ist die Tourismus-Infrastruktur. Ich lasse es dabei bewenden nach einer Rast in einem ordentlichen Fischlokal einmal einen guten Teil der Strandpromenade abzufahren und dann geht es zurück nach Playa Blanca. Das Teilstück bis Macher ist noch recht mühselig gegen starken Wind und nur bergbauf!

Aber dann kommt der angenehme Teil der heutigen Tour. Bis Yaiza habe ich Seitenwind mit einer leichten Rückenwindkomponente. Ab Yaiza geht's dann richtig los. Nur noch Rückenwind. Schnell bin ich zurück in Playa Blanca. Es bleibt noch reichlich Zeit für einen Bunmmel an der Playa Flamingo.

21.12.1994 - 53 Tageskilometer
Umfahrung des Montaña Roja, vorbei an einigen etwas abseits gelegenen Bungalow-Anlagen und dann finde ich mich am Verteilerkreis an der Ortseinfahrt nach Playa Blanca wieder. Na ja, heute habe ich reichlich Zeit. So ist der Umweg von gut 10 km kein Beinbruch. Ich habe also keine andere Wahl, nach Norden geht's halt nur über die Straße nach Yaiza oder über die recht üble Schotterpiste nach Brenas und Femes. Bis zur Abfahrt nach El Golfo sind es hier nur noch 10 km. Ein kurzer Blick auf die Salzgärten. Der schön gelegene Mirador de Salinas ist heute - oder zumindest zu dieser Zeit - nicht bewirtschaftet. Spare ich mir also die Tasse Kaffee und fahre die Küstenstraße weiter. Links zunächst die Salinen, dann der schöne schwaze Lavastrand, das offene Meer. Rechts riesige Lavafelder, fast ausschließlich noch tote Materie, kaum Bewuchs, nur ganz selten einige Flechten. Es sind hier die südwestlichen Randbezirke des Nationalparks Timanfaya. Das ganze Gebiet ist durch die Vulkanausbrüche zwischen 1730 und 1736 geprägt. Hier ist die glühende Lava direkt bis ins Meer geflossen und hat dabei eine imposante Küstenlinie - die Los Hervideros - geformt. Nach einigen Kilometern weiter nördlich fahre ich die kleine Straße hinunter zu den Klippen. Eine gute Entscheidung. Von hier kann ich weit in den Halbkrater El Golfo mit dem Fahrrad hineinfahren. Ohne Fahrrad könnte ich an der anderen Seite über den Kraterrand wieder hinaufsteigen und direkt in den Ort Casas del Golfo laufen. Aber das kann ich später auch auf der asphaltierten Umfahrung des Kraters machen. Zunächst will ich mal die interessanten Formen, die Farben dieses halb im Meer versunkenen Kraters auf mich einwirken lassen. An den Kraterwänden das ganze Farbspektrum von gelb bis rot, der dunkelgrüne Kratersee, der schwaze Strand, die weißen Schaumkronen der heftigen Brandung!

Zurück auf die Asphaltstraße und weiter bis in den Ort Casas del Golfo. Vorbei an der landseitigen Kraterhälfte. Überwiegend rote Farbtöne im Lavageröll. Hier mit schon recht dichtem Bewuchs, viele Flechten, Wolfsmilchgewächse. Und dann vor mir, Casas del Golfo, das kleine Fischerdorf neben dem Krater. Am Dorfende soll ein vorzügliches Fischlokal sein. Also mal dahin. Hoffentlich machen das nicht alle Besucher, hoffentlich bleiben die Busse am Ortsrand bei den großen Lokalen. Ja es ist so, bis zum Ortsende fahren nur wenige durch. Es ist kein Gedränge. Die Wirte haben Zeit für die Gäste, haben Zeit, den fangfrischen Fisch, Muscheln und anderes Meeresgetier ordentlich zuzubereiten. Es war nicht ganz billig aber von ausgesuchter Qualität.

Nach weit mehr als einer Stunde Pause geht es dann zurück. Die neue Straße nach Yaiza ist noch nicht zur Befahrung freigegeben. Also folge ich heute der selben Route wie bei der Hinfahrt.

Am frühen Nachmittag bin ich zurück in Playa Blanca. Nach einer ausgedehnten Kaffeepause auf der Terrasse meines Bungalows mache ich in der Stunde vor Sonnenuntergang einen ausgedehnten Spaziergang auf den Montaña Roja. Dieser Berg ist natürlich auch ein Vulkan. Auf dem Rundweg um den Krater hat man einen schönen Blick auf Playa Blanca, bis in die Gegend von Yaiza, bis nach Fuerteventura. Auch hier das schöne Farbenspiel der Lavabrocken. Hier sind wieder sehr viele Flechten zu sehen. Der sanft nach Norden abfallende Hang ist übersäht davon. Alles schimmert in zartem Pastellgrün. Nach Süden fällt der Berg wesentlich steiler ab. Hier ist kaum Bewuchs, hier überwiegt nacktes Gestein in einer breiten Palette von Rottönen.

23.12.1994
Auf in die Montañas del fuego soll es heute gehen! Aber zunächst nochmals das Fahrrad überprüfen, den Luftdruck kontrollieren. Aber leider, die Luftpumpe ist weg. Ich muß sie wohl gestern irgendwo verloren haben oder ein anderer Radfahrer hat sich bedient. Na was soll's, kaufe ich halt eine neue Punpe. Wir haben doch 2 Fahrradverleiher in Playa Blanca. Also wird wohl allen Unkenrufen zum Trotz Fahrradzubehör zu erhalten sein! Also los! Aber wie das nun mal so ist, der eine Radverleiher hat seinen Laden erst gar nicht geöffnet und der andere Radverleiher ist zwar ausgesprochen freundlich und hilfsbereit, aber eine Luftpumpe kann er mir weder verkaufen noch leihen. Er hat nur einen Kompressor. Seine Leihfahrräder werden an die Kunden ohne Pumpen ausgehändigt. Er meint, ich müsse wohl nach Arrecife fahren um Fahrradzubehör zu kaufen. Und er sollte recht behalten. Ich habe in nahezu allen größeren Geschäften des Ortes nachgefragt: Überall Fehlanzeige. Mit der Suche nach der Luftpumpe habe ich fast den gesamten Vormittag verbraucht. Es ist daher etwas zu spät, um noch in Ruhe in die Monanas del fuego zu fahren. Ich verschiebe diese Tour auf Morgen und beschränke mich daher heute darauf, für die morgige Tour am Hinterrad einen neuen Schlauch zu montieren. Dann dürfte die Fahrt ohne Luftpumpe etwas sicher sein, zumal der alte Schlauch nicht ganz dicht war. Mein freundlicher Fahrradverleiher stellt mir wie selbstverständlich seinen Kompressor zur Verfügung. Er hätte wohl auch nichts dagegen, wenn ich noch eine Tüte Luft zusätzlich mitnähme, aber wie soll ich die Luft im Falle einer Panne in den Schlauch bekommen? Lassen wir diese blöde Idee. Es wird schon ohne Panne, es wird schon ohne Pumpe gehen!

24.12.1994 - 73 Tageskilometer
Heute kann's losgehen. Auf in die Montañas del fuego! Vor den Genuß dieser einzigartigen Landschaft gilt es, nochmals den Weg durch die Rubicon-Ebene, bis Yaiza den nun doch schon hinlänglich bekannten Weg zu nehmen. Dann geht's in Yaiza links ab in Richtung Westen. Gleich hinter der neuen Umgehungsstraße geht's nur noch geradeaus in Richtung Nordwesten. Durch leicht welliges Gelände, in steter, sanfter Steigung. Immer weiter hinein in das mit Lavabrocken übersähte Gebiet. Im Blick zurück wirken die weißen Dörfer Yaiza und Uga hinter dieser von in allen Abstufungen von duneklrot bis schwarz geprägten Landschaft auf mich faszinierend. Ich muß einfach an jeder Kuppe einmal kurz zurückblicken. Und vor mir die grandiose Landschaft des Parque National de Timanfaya. In einer kurzen Erläuterung des Cabildo Insular Lanzarote wird diese Landschaft wie folgt beschrieben: "Diese chaotischen Berge, eindrucksvollen Krater und tiefen Risse vermitteln den Eindruck absoluter Einsamkeit und Ruhe. Die zahlreichen Flechten der unterschiedlichsten Arten und Farben, die einen Großteil der Felsen und Schlacken bedecken, vollenden diese eindrucksvolle Landschaft."

Bei aller Faszination, diese Landschaft wurde durch eine in der jüngeren Geschichte der Vulkanologie wohl einzigartige Naturkatatrophe geprägt. Hierzu ist aus den Aufzeichnungen des Pfarrers von Yaiza, André Lorenzo Curbelo, zu entnehmen: "Am 1. September 1730 zwischen neun und zehn Uhr am Abend öffnete sich plötzlich die Erde in der Nähe von Timanfaya etwa 11 Kilometer von Yaiza entfernt. In der ersten Nacht erhob sich ein riesiger Berg aus dem Schoß der Erde und aus seiner Spitze drangen Flammen die 19 Tage lang brannten. Am 18. Oktober entstanden 3 neue Öffnungen über Santa Catalina. Aus ihren Schluchten drangen schwere Rauchmassen, die über die ganze Insel zogen, sowie Unmengen von Schlacken, Sand und Asche, die sich auf die ganze Insel verteilten."

Dieses schaurige Szenario dauert insgesamt fast sechs Jahre: vom 1. Septemer 1730 bis zum 16. April 1736!

Der Kern dieser Landschaft ist unter der Federführung von Cesar Manrique einfühlsam für den Tourismus erschlossen worden. Zu gerne wäre ich ja mit meinem Fahrrad alleine durch dieses Gelände gefahren. Aber es ist schon richtig, was die Parkverwaltung sagt: "Das beginnende pflanzliche und tierische Leben ist extrem zart, genauso wie die geomorphologischen Strukturen, weshalb jedgliche unkrontrollierte menschliche Einwirkung auf den Timanfaya - so unbedeutend sie auch sein mag - schwere, nicht wiedergutzumachende Schäden verursachen kann." Folglich sind diese Wege für den individuellen Touristenzutritt gesperrt. Diesen Teil kann man nur mit von der Parkverwaltung eingesetzten Bussen befahren. Aber auch so gewinnt man einen hervorragenden Eindruck dieser Landschaft! Vielleicht gelingt es mir ja mal bei einem späteren erneuten Besuch, eine Fahrraddurchfahrung in Begleitung (oder unter Aufsicht) eines Angestellten der Parkverwaltung zu machen! Reizvoll wäre es und ein guter Grund, nochmals auf diese Insel zu reisen!

Zum Abschluß des heutigen Besuchs kann ich nicht umhin im schönen Restaurant El Diabolo bei einer guten Flasche Lanzarotewein und mit auf der Vulkanhitze gegrilltem Fisch die herrliche Aussicht auf den westlichen Teil des Parkes zu genießen.

Dann fahre ich zurück. Nehme nochmals mit allen Sinnen diese beeindruckende Landschaft in mich auf und in einem großen Bogen über Mancha Blanca, vorbei am Caldera Colorada und Montaña Negra, durch das imsposante Weinbaugebiet Geria, durch Uga und Yaiza komme ich wieder nach Playa Blanca.

Es war für mich ein herrlicher Tag. Und abends im Restaurant wird uns etwas spanische Lebensfreude vermittelt. Keine deutsche "Stille Nacht Stimmung". Hier und heute geht's fröhlich zu!

25.12.1994 - 56 Tageskilometer
Gestern bin ich zwar ohne Luftpumpe, ohne Panne, recht ordentlich zurecht gekommen. Aber ob das so weitergeht? Es ist doch bestimmt besser, wenn ich wieder eine Luftpumpe mitführe. Für den Fall der Fälle! Aber woher nehmen? Zu kaufen gibt's so etwas ja in Playa Blanca oder näherer Umgebung nicht. Eigentlich kann ich die Pumpe nur verloren haben. Es spricht einiges dafür, daß die Pumpe im Krater El Golfo liegt. Da, wo ich mein Fahrrad abgestellt hatte, hatte ich ja auch meine Trinkflasche unbeabsichtigt aus der Halterung gedrückt. Also, was liegt da näher als nochmals nach El Golfo zu fahren? Und wenn die Pumpe dort nicht liegt - macht nichts, ich sollte eh nochmals in eines der dortigen Fischlokale gehen. Also los! Und richtig, der Krater ist noch da, der Kratersee, der schöne Blick auf die starke Brandung, aber keine Luftpumpe. Na gut, dann kann's ja geruhsam weiter ins Dorf gehen. Heute beschränke ich mich auf eine Portion frische Muscheln und ein Glas Bier. Auch dieser doch recht einfache Genuß hier an dieser Stelle war schon Grund genug, heute dieses Ziel zu wählen. Zurück geht es dann über die noch nicht freigegebene neue Straße nach Yaiza, durch wieder andere Teile dieser grandiosen Landschaft. In Yaiza entscheide ich mich durch die Berge über Femes und Las Breñas zurückzufahren. Keine besonders lange Strecke. Dafür geht's über eine schöne Bergstraße. Nach einer längeren Pause in Femes geht's hinab nach Las Breñas. Ein leichtes Zischen, ein Plattfuß und dann habe ich beste Gelegenheit die herrliche Aussicht von Las Breñas auf die Rubicon-Ebene, hinein in den Park Timanfaya, in Ruhe zu geniessen. Nur muß ich mir schon die Mühe machen, den Rest des Weges zu laufen! So auf halbem Weg zurück nach Playa Blanca kommen mir dann doch noch zwei Montainbiker entgegen. Und sie haben sogar eine passende Luftpumpe. So kann ich zumindest den Rest wieder fahren. Aber mir reicht es. Für die jetzt anstehenden Ausflüge in den nördlichen Teil der Insel werde ich das Rad nur benutzen, wenn es mir gelingt, irgendwo eine Luftpumpe aufzutreiben!

Für die drei folgenden Tage miete ich zunächst einmal ein Auto. Auch wenn ich mit aller Gemächlichkeit durch die Gegend fahre, reichlich Pausen mache und verschiedene Spaziergänge einschiebe, so richtig kann ich die Landschaft per Auto nicht geniesssen. Das Reisen mit dem Fahrrad ist schon eine andere Qualität!

Mit dem Auto fahre ich an die Westküste, nach La Santa, nach Famara. Über Teguise durch Haria bis an den Mirador del Rio mit dem herrlichen Blick auf die Insel Graciosa, vorbei an der nordöstlichen Küste bis zu den großen Höhlen, durch die Tourismusregion Costa Teguise zurück nach Playa Blanca.

Der 28.12.1994 steht ganz im Zeichen der Kultur. Fondacion Cesar Manrique, seine Malerei, seine Einfüsse auf die Architektur und zum Abend ein Klavierkonzert in der Lavahöhle Jameos del Agua! Und unterwegs habe ich doch noch eine Luftpumpe aufgetrieben. Zwar gebraucht und nicht ganz billig, aber funktionsfähig! Die verbleibenden zwei Tage kann ich also wieder mit dem Rad fahren!

29.11.1994 - 47 Tageskilometer
Gleich nach dem Frühstück nehme ich die Fähre nach Fuerteventura. Ich will mir doch mal den nördlichen Teil dieser Nachbarinsel anschauen. Ich beschränke mich auf die nördlichen Randbereiche des Dünengebietes. Und wie der Zufall so spielt, kann ich während dieser doch recht kurzen Rundfahrt gleich zweimal die Funktionsfähigkeit der neu erworbenen Luftpumpe testen. Nach der Rückkehr in den Hafenort Corralejo nehme ich gleich die nächst Fähre zurück nach Lanzarote. So ganz begeistert hat mich Corralejo nun doch nicht! Gemütlicher für einen Nachmittagskaffee erscheint mir da doch die Uferpromenade in Playa Blanca

30.12.1994 - 46 Tageskilomneter
Der Urlaub ist nahezu vorbei. Morgen geht's zurück! Zum Abschluß nochmals eine Tour vorbei an den Salinas del Janubio, kurze Pause am schwarzen Lavastrand, vorbei an der wilden Küste, vorbei an den Heriverdos und nochmals hinein in den Krater El Golfo. Eigentlich gibt es hier nichts. Nur den teilweie zerbröselten Krater. Aber welch ein Farbenspiel! Das sollte man sich wirklich mehrmals anschauen, zu verschiedenen Zeiten, bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen! Und nochmals in ein Fischlokal. Zurück in Playa Blanca lasse ich den Tag und en Urlaub mit einem langen Spaziergang um den Kraterrand des Montaña Roja ausklingen.
 

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