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. . . . mit dem Fahrrad entlang der Cote d'Azur und durch die Provence |
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10. Mai - 47 km mal wieder beginnt eine Reise mit einem recht unkomplizierten check-in am HLX-Schalter - pünktlicher Flug und ordentliche Behandlung meines unverpackten Rades. Nach der Landung in Marseille sind keine Justierungen erforderlich, nur die Pedale montieren, den Lenker wieder gerade stellen, die Gepäcktaschen anhängen und schon bin ich fertig zum Beginn der Radtour. Vor dem Terminal richte ich noch mein Garmin-GPS ein um dann gleich die Tour zu starten. Dann spricht mich ein anderer Reiseradler an. Er möchte wissen, ob man den Flughafen auf kleinen Straßen verlassen kann oder ob man zumindest die ersten Kilometer über die 4-spurige Autostraße fahren muss. Ich habe für die Fahrt vom Flughafen hinein nach Marseille keine Strecke vorbereitet, da auf meinen Karten nahezu alle Alternativen wenig radfahrfreundlich aussehen. Ich muss mir irgendwie einen Weg nach aktueller Einschätzung der Straßen und der aktuellen Verkehrsbelastung suchen. Es spricht also nichts dagegen, die ersten paar Kilometer gemeinsam zu radeln. Der Mitradler stellt sich dann als ein Franco-Kanadier aus Québec vor. Er ist auf seiner ersten Radtour in Europa. Zuvor hatte er schon einige Reisen mit dem Auto durch Frankreich gemacht. Québec ist die Metropole des französisch sprechenden Teils Kanadas und seine Muttersprache ist daher selbstverständlich Französisch. Obgleich er behauptet, nur sehr wenig Englisch zu sprechen, führen wir doch eine recht lebhafte Unterhaltung auf Englisch über unsere bisherigen Radtouren und unsere Planungen für die nahe Zukunft. Nach einem gemeinsamen café au lait trennen uns dann unsere Wege in Marignane. Jean aus Québec fährt westwärts nach Martigues. Ich fahre in östlicher Richtung nach Marseille. Die Route National Nr. 358 und 113 werden zwar recht stark befahren, aber irgendwie kann man doch mit dem Rad auf diesen Straßen fahren, Oft sind zwar etwas raue aber recht breite Randstreifen vorhanden. Und wo so etwas fehlt, muss man sich halt mit dem nötigen Selbstbewusstsein - oder sollten man besser "Gottvertrauen" sagen ? - in den starken Verkehr einreihen. Durch das recht geschäftige Hafenviertel schwimme ich im lebhaften Straßenverkehr in die Altstadt, direkt an den Vieux Port. Nach einer Lunchpause entscheide ich mich, hier irgendwo in Marseille für heute Station zu machen. Rückfragen in den ersten Hotels enden negativ - alles voll belegt. Dann fahre ich mal weiter. Am späten Nachmittag finde ich dann im Vorort Bonnevieu ein freies Zimmer, im Best Western - nicht gerade billig, aber viel Spielraum habe jetzt so kurz vor 7 Uhr nun auch nicht mehr! 11.05. - 59 km / Sanary sur Mer Gestern bin ich etwas von der vorgeplanten Route abgewichen. Auch ohne "Autorouting" wird mich das GPS schon auf die richtige Spur bringen. Ich bin recht überrascht, wie ich so auf kleinen, kaum befahrenen Straßen dahin rolle. Auch die recht bemerkenswerten Steigungen entsprechen den Erwartungen, schließlich ist heute ein kleiner Pass auf 327 m zu überwinden. Und dann? Ich ende irgendwo im Nichts. Die Straße endet unvermittelt vor den sich auftürmenden Bergen. Die richtige Straße ist nur wenige hundert Meter Sichtweite entfernt. Nur so einfach hinfahren geht nicht. Also zurück und den richtigen Weg in Richtung Cassis suchen. Für ein kurzes Teilstück folge ich jetzt wohl besser den normalen Verkehrsschildern. Bald bin ich wieder auf der vorgeplanten Route. Von der vielleicht verzichtbaren zusätzlichen Steigung auf knapp 250 m mal abgesehen, habe ich nur ein paar zusätzliche Kilometer zu fahren. Manchmal ist der relativ starke Autoverkehr recht "nervig" und an einigen Steigungen ohne brauchbare Randstreifen ziehe ich es sicherheitshalber vor, ein Stück zu laufen. So kann ich notfalls auch noch in den Graben ausweichen, wenn einige Autos nun unbedingt den äußersten rechten Rand der Fahrbahn benutzen wollen. Aber an vielen Stellen ist der Randstreifen breit, in einem guten Zustand und auch noch als Radweg "Piste cycable" gekennzeichnet. So komme ich dann doch noch recht gut voran. In der Nähe von Sanary s/Mer mache ich heute Camping. Die Leute sind hier zwar recht freundlich, aber am nächsten Morgen gibt's dann mit ca. 17 auch einen recht "happigen" Preis. 12.05 / 60 km Presqu'ile de Gien Gestern hatte ich übersehen, dass das Büro des Campingplatzes erst um 8:45 Uhr öffnet. Aber ich habe Glück. Der Platzwart hat mich bemerkt und das Büro extra für mich früher aufgesperrt. So kann ich recht früh starten. Zunächst rolle ich durch das stark profilierte Gelände nach Sanary hinein. Die ersten Bistros öffnen gerade. Am Hafen habe ich dann Gelegenheit zu einem kleinen Frühstück. Dann geht es weiter entlang der Küste. In Six-Fours les Plages habe ich eine Abweichung von der Hauptverkehrsstraße geplant. Zunächst geht es auf gut asphaltierten schmalen Straßen durch sehr hügelige Wohnbezirke. Dann komme ich immer mehr in die Außenbezirke der Stadt. Die Besiedlung wird dünner, die Steigungen stärker und die Qualität der Wege wird laufend schlechter. Schließlich ist es nur noch eine üble Piste, vielleicht für sportliche Mountainbiker geeignet, doch nicht für ein schwer beladenes Reiserad! Diese Wege waren in den Mapsource-Karten enthalten - also mal weiter. Irgendwann müssen auch wieder bessere Straßenverhältnisse kommen! Jetzt bin wieder auf der Hauptverkehrsstraße. Eigentlich recht gut befahrbar. Den Ausflug über teilweise sehr schlechte Wege durch die sehr hügeligen Außenbezirke von Six-Four les Plages hätte ich mir durchaus ersparen können. Aber auf diese Weise benutze ich gelegentlich auch etwas "abwegige" Pfade. Jetzt kommt mir zur Abwechslung ein ständig stärker werdender Wind aus Süd-Ost entgegen. Die Windgeschwindigkeit erinnert mich sehr an den Mistral. Der kommt aber aus Nord oder Nordwest. Abends fällt mir dann zufällig eine Prognose für den heutigen Tage von Meteo-france in die Hände: Wind aus Süd-Ost mit 50 km/h. Na ja, da haben wir's. Ich war nicht schlapp, der Wind war so heftig wie von mir empfunden! Auch durch die Großstadt Toulon bin ich recht gut gekommen. Nach einer kurzen Pause am Hafen geht die Reise weiter in Richtung Osten. An der einladenden schmalen Straße "Route du Sel" entscheide ich mich von der vorgeplanten Route für einen Abstecher auf die Presqu'ile de Giens abzuweichen. Und spontan entscheide mich hier auf einem gut gelegenen Campingplatz Station zu machen. 13.05. Presqu'Ile de Giens Heute mache ich eine ausgedehnte Wanderung auf dem schönen Sentier littoral 14.05. / 85 km les Issambres Die angekündigten Gewitter sind bisher ausgeblieben. Morgens ist es recht freundlich mit einer leichten Stratusdecke. Ich will dann mal die Tour in Richtung Frejus fortsetzen. Bis Les Salines fahre ich auf relativ ruhigen Straßen. Dann kommen die sehr stark befahrenen Straßen. Aber auch hier geht es gut voran. Hier besteht eine gut ausgebaute "Piste cycable" - teilweise ein ordentlicher Radweg etwas abseits der N 98, teilweise eine herrliche separate Radpiste fernab des Straßenlärms. Zwischenzeitlich haben sich in den küstennahen Berge große Gewitterwolken gebildet. Begleitet vom ersten Donnern rolle ich nach Le Lavandou. Dann holt mich heftiger Regen ein. Ich kann noch soeben in ein Strandcafe flüchten. Dann brechen die Schleusen. Heftiger Regen und Hagel gehen nieder. Bald klart es wieder auf. Ich kann die Tour fortsetzen. Ich nähere mich Port Grimaud und wieder steht eine undurchschaubare schwarze Wand vor mir. In Richtung Frejus ist nirgends eine Besserung auszumachen. Noch sieht es nur bedrohlich aus. Es ist noch trocken. Die reichlich hohen Preise der Campingplätze halten mich davon ab, hier in Port Grimaud für heute Station zu machen. Ich fahre weiter und so irgendwo im Nichts zwischen St. Maxime und Frejus bricht der heftige Regen los. Ich finde noch nicht einmal eine Unterstellmöglichkeit um zumindest dem heftigsten Regen auszuweichen. Ich muss weiter fahren. Der Regen bleibt heftig. In den Spurrillen steht das Wasser! Ich werde rundum eingesprüht. In les Issambre stolpere ich in kleines Hotel der Kette "Logis de France". Mit Häusern dieser Kette habe ich schon des öfteren gute Erfahrungen gemacht. Es spricht also nichts dagegen, hier die Fahrt für heute zu beenden. 15.05 / 84 km le Bar sur Loup Zumindest für heute hat sich das Wetter beruhigt. Morgens wolkenloser blauer Himmel bei recht angenehmen Temperaturen. Der Tag beginnt mit einem ordentlichen Frühstück auf der schönen Terrasse des Hotels. Obwohl das Hotel direkt an der recht stark befahrenen N 98 liegt, hat man durch eine geschickt angeordnete Bepflanzung den Eindruck, in einem großen Park zu sitzen. Nur das Rauschen des fließenden Verkehrs erinnert an die N 98. Dann kann ich die Tour fortsetzen. Zunächst muss ich auf der N98 fahren. Einige Kilometer vor Frejus kann ich dann auf wenig befahrene Nebenstrecken ausweichen. Nach Durchfahrung der Stadt Frejus kann ich dann die heutige Etappe auf ruhigen, phantastischen Straßen durch die schöne hügelige Landschaft bis nach Fayence fortsetzen. Hier zögere ich einen Augenblick. Soll ich zum Flugplatz oder lieber gleich weiter nach Grasse? Obwohl ich noch reichlich Zeit habe, entscheide ich mich zur direkten Weiterfahrt nach Grasse. Die Strecke ist ab hier bei weitem nicht so schön wie der Abschnitt zwischen Frejus und Fayence. Dafür ist die Topografie weniger anspruchsvoll und so komme ich recht gut voran. Kurz vor Grasse sind dann die Steigungen etwas anspruchsvoller und ich bin jetzt auch schon etwas müde. Dann sind mir auch noch die Getränke ausgegangen. Jetzt laufe ich mal Stück bis ich mir zumindest neue Getränke kaufen kann. Dann rolle ich in die Altstadt von Grasse. Hier laufen zur Zeit umfangreiche Straßenbaumaßnahmen, was die Attraktivität der Altstadt doch etwas einschränkt. An anderer Stelle sind große Menschenansammlungen. In Grasse findet zur Zeit eine große Rosenausstellung statt. Meine ursprüngliche Planung, hier in Grasse Station zu machen, verwerfe ich und fahre weiter auf der vorgeplanten Route in Richtung Castellane. Bei le Bar sur Loup beende ich diese Etappe zu Beginn der Gorges de Loup. 16.05 / 35 km Thorenc Die Wetterberuhigung hat noch den ganzen Vormittag angehalten. Dafür gab es dann in Pont du Loup die erste böse Überraschung: "Die von mir eingeplante Route durch die Schlucht über die Straße D 6 ist gesperrt." Soll ich der empfohlenen Umleitung folgen oder die Sperrung ignorieren und mal sehen. wie weit ich komme? Obgleich es ständig bergauf geht, nehme ich das Risiko in Kauf, irgendwann nach einem anstrengenden Aufstieg wieder umzukehren. Die Straße zieht sich dahin. Ich habe schon 400 Höhenmeter gemacht, die reizvollen Blicke in die Schlucht genossen. Dann stehe ich vor einem längeren Tunnel - natürlich heute ohne Beleuchtung. Für wen auch? Die Straße ist ja gesperrt. Und hinter dem Tunnel ist mit Betonelementen die Durchfahrt für Autos massiv gesperrt. Die beiden einzigen Autos, die ich bisher auf dieser gesperrten Straße gesehen habe, drehen dann auch nach dem Tunnel um. Ich kann durch die Lücken zwischen den Elementen durchfahren. So geht es dann noch einige Zeit weiter. Dann stehe ich vor einem verschlossenen Gatter. Man kann in die Baustelle hineinsehen. Es hat hier offensichtlich einen Erdrutsch gegeben. Die Fahrbahn ist stellenweise weggebrochen und die steile Bergflanke muss wohl mit zusätzlichen Ankern gehalten werden. Was nun? Aufgeben und umkehren? Das kann es doch nicht gewesen sein, nach inzwischen gut 600 Höhenmetern! Mein Gepäck kann ich unter dem Gatter durchschieben. Jetzt muss ich nur noch die bequemere Seite des Gatters finden, um auch selbst mit dem Rad auf die andere Seite des Gatters zu kommen. Lange brauche ich nicht zu suchen. Dann kommt ein einheimischer Mountainbiker und ermuntert mich, das Gatter auf der Schluchtseite zu passieren, Es soll noch ein zweites Gatter geben, Aber hier hätten er und seine Freunde bereits einen "bequemen" Durchgang "hergestellt". Na, dann bin ich hier wohl richtig! Nach einem kleinen Balanceakt an der Schluchtseite bin ich auf der anderen Seite des Gatters. Das Gepäck wieder anhängen und die Fahrt geht unbeschwert weiter. Dann sehe ich das zweite Gatter. Und richtig - hier haben die Mountainbiker eine Lücke "geschaffen", groß genug für ein mit Gepäck beladenes Fahrrad aber Autos werden eindeutig von einer Durchfahrt abgehalten. Ich kann auch hier ohne Probleme weiter fahren. Es war also richtig, die Straßensperrung in Pont du Loup zu missachten! Es geht weiter aufwärts. Längst bin ich aus dem Bereich meiner mitgeführten Karten hinausgefahren. Aber das soll ja nicht viel bedeuten - ich fahre ja ohnehin die vorgeplante Tour per GPS. An einem Verteilerkreis kommt dann das, was ja mal passieren musste: zwei nahezu parallel verlaufende Abzweigungen! Welche ist nun die richtige? Es sieht so aus, dass die in die Schlucht führende Variante die richtige ist. Also dann man bergab - schließlich bin ich doch schon auf recht großer Höhe. Zunächst passt der Straßenverlauf zu den Richtungsanzeigen des GPS. Aber je weiter ich in die Schlucht abtauche, desto häufiger passen die Richtungsanzeigen nicht mehr zum tatsächlichen Straßenverlauf. Also umkehren und wieder hinauf zum Verteilerkreis. Hier nehme ich dann die andere Straße - natürlich weiter aufwärts! Aber das ist die vorgeplante Route! Am Ortseingang von Gréolières werde ich dann belohnt. Hier kann ich endlich meinen Proviant auffrischen. Ich schaue dann noch so einigen Gleitschirmflieger zu und dann hält noch ein Radlerpaar zu einem kleinen Plausch an. Aber damit es dann zunächst genug mit den positiven Dingen. In Fahrtrichtung sieht es nicht gut aus. Dunkle Regenwolken hängen zwischen den Bergen. Und dann geht's auch schon los! Zum Glück kein Gewitter, aber anhaltender Dauerregen. Und deutlich kälter ist es geworden! Es geht gnadenlos weiter aufwärts. Die Nässe und die Kälte setzen mir gehörig zu. Dann komme ich an eine Kreuzung. Ich müsste hier rechts abbiegen, weiter bergauf zum Col de Bleyne. Wann oder ob ich dort ein Gasthaus oder gar eine Unterkunft finde, ist mehr als fraglich. Da sind doch die drei Reklameschilder für Hotels in Thorenc schon einladender! Thorenc liegt einige Kilometer abseits meiner Route. Zunächst geht es etwas bergab um dann am Ortsrand umso heftiger wieder anzusteigen. Der kleine Luftkurort besteht neben einigen privaten Sommerhäusern und einer Einrichtung des französischen Alpenvereins praktisch nur aus den drei Hotels. Das erste, ein Haus der Kette "Logis de France", nimmt heute keine Gäste an. Man schließt gleich und wird auch morgen nicht öffnen. Aber gleich gegenüber im nächsten Hotel kann ich ein Zimmer bekommen und das auch noch einschließlich Abendessen und Frühstück zu einem recht vernünftigen Preis. Es ist ein recht altes Gebäude aber mit ordentlichen sanitären Einrichtungen. Der jetzige Betreiber hat das Haus erst vor kurzum übernommen und die einfach eingerichteten Zimmer angenehm dezent dekoriert. Auch über die Küche wird in einigen Publikationen positiv berichtet. Ich bin heute der einzige Hotelgast. Vielleicht ist das schon eine Auswirkung des jetzt erstmalig in Frankreich entfallenden Pfingstmontag als gesetzlicher Feiertag. Aber es kann auch an dem nicht besonders einladenden Wetter liegen. Abends ist dann das Restaurant geöffnet. Da ich während der Tour kaum etwas gegessen habe, lasse ich mir das Abendessen relativ früh machen. Obgleich ich ja das Zimmer einschließlich Verpflegung zu einem recht günstigen Pauschalpreis bekommen habe, kann ich mir die einzelnen Gänge aus der allgemeinen Speisekarte aussuchen. Und was dann serviert wird. ist wirklich beste Qualität. So nach und nach tauchen dann noch weitere Restaurantgäste auf. Die gute Küche und die zuvorkommende Bedienung müssen sich wohl herumgesprochen haben. Ähnlich positiv wurde dann auch das Frühstück serviert. 17.05 / 76 m La Palud Zur Fortsetzung der Tour muss ich einige Kilometer zurück fahren und die schon erreichte Höhe von 1250 m verlassen. An der gestern verlassenen Kreuzung geht es dann wieder hinauf über den 1440 m hohen Col de Bleyne. Dann folgt bis Saint Auban eine lange Abfahrt über eine sehr gut zu befahrende Nebenstrecke. Ab Saint Autan geht's dann mit einer leichten Steigung durch ein schönes Hochtal. Am westlichen Talschluss steht noch einmal ein sehr steiler Aufstieg auf den Col de St. Barnabé an. Jetzt höre ich auch schon die ersten Gewitter. Aber auf meiner Strecke bleibt es noch trocken. Dann geht es hinab in die Region Castellane mit den verschiedenen zur Energiegewinnung angelegten Stauseen. Nach einer ausgiebigen Pause in Castellane fahre ich weiter in die Verdonschlucht. Bald ziehen hier Gewitter auf und es beginnt zu regnen. An der Abzweigung nach Rougon weiche ich für heute von der geplanten Route ab und fahre weiter nach La Palud. Der Regen wird heftiger. Die Gewitterzellen liegen zum Glück weiter nördlich. Bei mittlerweile extrem starken Regen erreiche ich die "L'Auberge des Cretes". Hier ist auch ein Zimmer verfügbar. Obwohl der Wirt recht freundlich ist, kann ich ihn nicht dazu bewegen, mir sofort den Abstellraum für das Fahrrad zu zeigen. Ihm ist schlicht und ergreifend der Regen zu heftig, um das Haus zu verlassen. Na gut, das Rad ist ohnehin schon nass. Da kommt es auf weiteren Regen auch nicht mehr an. Als der Regen dann mal für kurze etwas nachlässt, kann ich auch mein Rad wie versprochen in einem Schuppen unterstellen. Am frühen Abend geht dann noch ein heftiges Gewitter über La Palud nieder. So bleibt mir nur die Hoffnung, dass es morgen zumindest bis zum frühen Nachmittag trocken bleibt, damit ich die Fahrt problemlos fortsetzen kann. 18.05 / 80 km Chateau Arnaux Das Wetter sieht heute mal wieder recht ordentlich aus. Es liegen auch keine konkreten Gewitterwarnungen vor, vielleicht ab Mittag Regen. Auf eine Wanderung durch die Schlucht verzichte ich daher. Ich will mal lieber die vorgeplante Route wieder aufnehmen und in Richtung Sisteron fahren. Zunächst geht es etwa 6 km zurück bis Point Sublime und dann hinauf nach Rougon. Von Rougon aus hat man einen beeindruckenden Blick in die Schlucht. Dann geht es auf der kleinen, kaum befahrenen D 17 weiter in Richtung Norden. Nach etwa 10 km gibt es einen besonderen Hinweis: "auf 12 km bis Majastres kann die Benutzbarkeit der Straße D 17 bei Schnee oder Regen nicht garantiert werden" Was soll das für mich bedeuten? Die Straße wird zwar deutlich schmaler ist aber weiterhin ordentlich asphaltiert. Also dann mal weiter. Nach wenigen Kilometer und einigen Kurven hört die Asphaltierung auf und geht erst einmal in eine noch recht akzeptable Schotterpiste über. Aber bald kommt es schlimmer. Der Weg wird schlammig, steinig, stark ausgefahren. Vielleicht noch so eben für ein unbeladenes, voll gefedertes Mountainbike oder ein robustes Allradfahrzeug - möglichst gleich ein Unimog - geeignet. Ein schwer beladenes Reiserad ist hier auf weiten Streckenanteilen völlig deplaziert. Über weite Strecken muß ich das Rad halt schieben. Zum Glück haben wir heute ja gutes Wetter mit viel Sonne und angenehmen Temperaturen. Aber die starken Gewitter der letzten Tage haben auf dem Weg Spuren hinterlassen, wodurch die Passage zeitweilig recht anstrengend war. Die Mühen wurden jedoch durch eine faszinierende Landschaft mehr als ausgeglichen. So bin ich dann doch noch durch diese Schlamm- und Steinwüste nach Majastres gekommen. Ab hier ist die Straße wieder asphaltiert. Hätte ich die später gekaufte Michelinkarte dieser Region schon bei der Routenplanung hinzugezogen, hätte ich diese Streckenführung sicherlich nicht gewählt. Schon die Klassifizierung in dieser Karte ließ zumindest nach den Gewittern der letzten Tage keine angenehme Beschaffenheit des Weges erwarten. Das zur Planung benutzte Kartenmaterial von Mapsource enthält keine Hinweise auf die Qualität des Straßenbelages. Aber wahrscheinlich war es gut so, diese Route zu wählen. Der Weg schlängelt sich durch die Landschaft mit mehr oder weniger starkem Gefälle. Dann tut sich vor mir ein landschaftlich schöner Talkessel auf. Den weiteren Verlauf der Straße kann ich nicht einsehen. Muß ich nochmals über die hohen Berge am nördlichen Rand des Kessels steigen? Nur keine Panik! Die Straße nimmt unvermittelt einen Schwenk nach links und mündet in eine kurze, aber beeindruckende Schlucht. Dann habe ich den Talkessel schon verlassen und vor mir in Richtung Digne fällt das Gelände insgesamt ab. Über Mezel fahre ich westlich an Digne vorbei und stoße dann auf die stark befahrene " Route Napoleon". Für die weitere Anfahrt nach Sisteron-Vaumeilh über die südöstliche Flanke des Montagne de Gache, über das "Défilé de Pierre Ecrite" ist es schon reichlich spät. Der erforderliche Aufstieg ist stellenweise recht steil und dürfte so einige Zeit erfordern. Außerdem kann ich auf diesem Streckenabschnitt kaum eine Unterkunfts- oder Versorgungsmöglichkeit erwarten. Ich bleibe daher auf der "Route Napoleon". Jetzt bläst mir auch noch ein sehr starker, extrem böiger Wind entgegen. Die Fahrt auf dieser stark befahrenen Straße ist bei diesen Bedingungen recht unangenehm. In Chateau Arnoux soll daher für heute Schluss sein. 19.05 / 30 km Sisteron-Vaumeilh Für die verbliebenen 30 km bis zum Flugplatz Sisteron-Vaumeilh kann ich mir reichlich Zeit lassen. Bis Sisteron fahre ich wieder auf der "Route Napoleon". Nach einem kurzen Aufenthalt in Sisteron geht es dann weiter auf kleinen Nebenstraßen bis zum Flugplatz. 20.05 / 52 km lokale Rundfahrt Heute schwanke ich zwischen einem Gastflug über die erweiterte "cuvette" oder eine Radtour über eine meiner hier in früheren Jahren während meiner Segelflugurlaube oft befahrenen Strecken. Zunächst mache ich mal einige Besorgungen in Sisteron und trödle dann noch so einige Zeit durch dieses nette Städtchen. Dann geht es direkt am Durance-Durchbruch auf der linken Durance-Seite auf einer Nebenstrecke zunächst bis zur Kreuzung vor Valernes. Jetzt muß ich mich entscheiden. Rechts ab und entlang der Sasse nach La Motte du Caire. Hier in La Motte mache ich eine kurze Pause. Dann geht es weiter über die Hügel Richtung Melve. Kurz vor Melve biege nach links Richtung Sigoyer ab. Die Route führt über einen Grat mit herrlicher Aussicht auf die "cuvette", wie die Hochebene rund um den Flugplatz Sisteron-Vaumeilh von vielen einheimischen Segelfliegern oft bezeichnet wird. Diese schöne Rundtour hat auch nach vielen Jahren für mich nichts an ihrer Attraktivität eingebüßt, obwohl ich diese Strecke schon sehr oft gefahren bin. Ich bin ja eigentlich nur kurz über die zwischen Sisteron-Vaumeilh und La Motte liegende Hügelkette gestiegen. Aber mit dem Abstecher über die Stadt Sisteron kommen doch mehr als 500 Höhenmeter zusammen. Im Vergleich zu meinen früheren Aufenthalten in dieser Region wurde der Obstanbau deutlich ausgeweitet. Was ich als weniger schön empfinde, ist der großflächige Einsatz von Schutznetzen aus Plastikfolie. Hierdurch wird die Ästhetik dieser Landschaft spürbar beeinträchtigt. Aber es wird wohl für die Obstbauern ähnlich sinnvoll sein, wie bei uns am Niederrhein die Folienabdeckungen der Spargel- und Erdbeerfelder. Im Vergleich zu früher scheint der Flugbetrieb in Sisteron etwas ruhiger, mit weniger Gästen zu verlaufen. Einen deutlichen Aufschwung dürfte dem Augenschein nach der kleine Segelflugplatz La Motte mit dem für Frankreich ziemlich unüblichen Windenbetrieb genommen haben. Außerdem hat sich das Angebot an Unterkünften, insbesondere der Kategorie "Chambre d'Hôtes" hier deutlich vergrößert. 21.05 / 92 km Luc en Diois Für heute und morgen macht Meteo-France keine gute Segelflugprognose. Es besteht daher kein besonderer Grund hier in Sisteron länger zu verbleiben. Ich sollte vielmehr die Tour fortsetzen. Ich habe noch ausreichend Zeit und kann daher die "große" Runde durch die Region Drôme machen. Es geht daher heute über kleine Nebenstraßen zunächst bis zum östlichen Ende der Crete des Selles. Dann fahre weiter entlang eines Grates an der nördlichen Flanke der Crete des Selles und über den Col d'Espreaux nach Aspres sur Buech. Von hier folge ich der Verbindungsstraße in Richtung Valence im Rhônetal. Hier geht es zunächst etwas bergab und dann folgt ein stetiger Aufstieg zum Col de Cabre und dann hinab ins Diois. Die Strecke ist auf der ganzen Länge landschaftlich sehr reizvoll. Ein besonderer Höhepunkt ist zweifelsfrei "Claps du Luc". Dieses heute beeindruckende Felsenchaos ist vor einigen Hundert Jahren durch einen Kollaps des Pic du Luc entstanden. Die langen Aufstiege über die beiden Pässe haben einige Zeit gekostet. Für mich ist daher im nahen Luc en Diois Etappenziel. 22.05 / 84 km - Vaison-la-Romaine Die Etappe beginnt mit einem etwas anstrengen Aufstieg auf den Col de Prémol. Der Prémol ist mit 964 m zwar nicht besonders hoch, aber der Anstieg ist stetig und ohne jede Flachetappe. Die Steigungen schwanken zwischen moderaten 5 % und dazwischen liegenden deutlich steileren Abschnitten. Aber mit der notwendigen Ausdauer oder auch nur einer angemessenen Gelassenheit lässt sich auch dieser Aufstieg bewältigen. Zwischenzeitlich hatte sich die Bewölkung zugezogen und es setzte gar etwas Regen ein. Aber das war zum Glück nur von kurzer Dauer. Die Wolkendecke riss wieder auf und am Col war dann schönstes Sommerwetter. Nach einer kurzen Rast kam dann der besonders angenehme Teil der heutigen Etappe. Wie in einem langen Gleitflug ging es bis Nyons nur noch bergab durch eine wiederum sehr schöne Landschaft. In Rémuzat habe ich dann in einem kleinen Lokal eine ausgedehnte Mittagspause mit einer Terrine de Chevre gemacht. Das war eine interessante Kombination aus Ziegenkäse, geräuchertem Lachs, Brot und Kräutern der Provence. Nach der Mittagspause folgte die Fahrt durch die beeindruckenden Schluchten des Eygues mit dem Höhepunkt der besonders spektakulären Gorges St. May. Nach einem kurzen Abstecher in die Altstadt von Nyons folgte dann noch ein leichter Anstieg über die Hügel bei Mirabel-aux-Baronnie bevor die Etappe im Camp bei den Ruinen des römischen Theaters in Vaison-la-Romaine endete. Jetzt bin ich schon wieder ziemlich nahe an Marseille. Die Distanz zum Flughafen kann leicht in zwei bequemen Etappen bewältigt werden. Je nach Wetterlage kann ich daher noch etwas das Plateau de Vaucluse und das Umfeld des Mount Ventoux erkunden, bevor es dann zurück an den Niederrhein geht. 23.05 / Vaison-la-Romaine Ruhetag in Vaison, Spaziergang durch die Altstadt unterhalb der Ruine des alten Kastells. Schöne Eindrücke aus dieser alten, noch heute bewohnten Stadt. Bei gutem Sommerwetter mit guter Fernsicht herrliche Panoramablicke. 24.05 / 42 km Blauvac Heute lasse ich es extrem gemächlich angehen. Nach dem Zeltabbau geht es erst einmal in die Innenstadt zum Frühstück. Heute ist Dienstag und dienstags ist in Vaison la-Romaine immer großer "Marché provençal". Die Stadt ist daher schon früh morgens voller Geschäftigkeit. Für den Weg in die Innenstadt habe ich die kurze, direkte Verbindung vom Campingplatz genommen. Hierzu muss ich jedoch das eindeutige Einbahnstraßenschild ignorieren. Und es kommt, was wohl kommen musste: mir kommt ein zweifelsfrei in der richtigen Richtung fahrender PKW entgegen. Die Straße ist schmal, einseitig voller parkender Fahrzeuge und ich kann dem entgegen kommenden PKW nicht ausweichen. Aber alles kein Problem. Der PKW-Fahrer erkennt die Lage, setzt einige Meter bis zum Zebrastreifen zurück, wartet, bis ich am Zebrastreifen auf den Gehweg ausweichen kann und ruft mir dann freundliche Grüße zu. Nach dem Frühstück fahre ich ohne konkrete Planung über Malaucene, Bedoin und Flassan nach Villes s/Auzon. Von hier könnte ich durch die vor Jahren schon befahrenen Gorges de la Nesque fahren. Nach einer kleinen Pause entscheide ich mich für eine von mir noch nicht befahrene Route über St. Esteve vorbei an einem Trappistenkloster hinauf nach Blauvac. Blauvac ist ein kleiner Weiler ohne besondere Einrichtungen. Hier gibt es weder ein Restaurant noch ein Geschäft. Der Ort liegt auf einem 413 m hohen Grat mit herrlichem Blick auf den Mount Ventoux auf der einen Seite und über die Ebene von Carpentras auf der anderen Seite. Und was besonders einladend ist, die Gemeinde unterhält einen kleinen Campingplatz mit einer verführerischen Aussicht auf den Mount Ventoux. Ich kann diesem Anblick nicht widerstehen und beende hier in Blauvac nach knapp 42 km die heutige Etappe. Ich habe leider keinen ausreichenden Verpflegungsvorrat mitgeführt. Es hilft da alles nichts, ich muss in das etwa 300 m tiefer liegende Mazan fahren, mich dort versorgen und dann wieder nach Blauvac hinauf. So habe ich dann im Verlauf des Tages insgesamt 58 km gefahren und dabei deutlich mehr als 850 Höhenmeter absolviert. 25.05 / 52 km Apt Heute ist es schon morgens um 7 Uhr recht warm. Ich entscheide mich daher zu einer kurzen Etappe über Venasque, den Col de Murs und Roussilon nach Apt. Bis Joucas entspricht die Strecke der vorgeplanten Tour aus der Region um Mazan zurück zum Flughafen Marseille. Aber für dieses Ziel ist es noch zu früh. Ich kann mich wegen der bisherigen Wetterlage, die mich noch nicht zu witterungsbedingten Pausen gezwungen hat, dem Flughafen ganz geruhsam mit einigen kurzen Etappen durch den "Parc Naturel Regional du Luberon" nähern. Für heute beschränke ich mich daher auf die kurze Etappe bis Apt. Das war das wegen der plötzlichen großen Hitze (um 19 Uhr waren es in Apt noch 37 Grad) sicherlich eine sehr gute Entscheidung. 26.05 / 58 km Salon-de-Provence Heute dürfte es wieder sehr heiß werden, Schon beim Frühstück um 8 Uhr ist es drückend warm. Ich werde daher auch heute nur eine relativ kurze Etappe fahren und zwar über den Luberon nach Lourmarin und dann weiter entweder nach Aix-en-Provence oder nach Salon-de-Provence. Bis Rognes ist für beide Ziele der Weg gleich. Und wie es sich für diese Region "gehört", geht es von Apt wieder zunächst einmal stetig aufwärts. Nicht besonders aufregend, aber im Schnitt dürfte die Steigung eindeutig ûber 5 % liegen. Bei den aktuellen Temperaturen und mit meinem doch recht schwer beladenem Rad ist das schon spürbar anstrengend. Aber wie immer, wird auch dieser Aufstieg auf den Luberon mit schönen Aussichten über das Plateau de Vaucluse reichlich belohnt. Nach Überwindung des 499 m hohen Col de Paintu folgt eine herrliche Abfahrt durch den "Combe de Lourmatin" bis in das schöne Dorf gleichen Namens. Lourmatin ist eines der Dörfer, die sich miteinander darüber streiten, welches nun das schönste Dorf ist. Eines ist jedoch sicher, ein Getränk kostet in diesen Dörfern einige Cent mehr, als in den umliegenden "normalen" Orten. In Rognes entscheide ich mich, nach Salon-de-Provence zu fahren. Das Gelände ist ab hier, von einigen unbedeutenden kleineren Anstiegen mal abgesehen, flach. Ich fahre nahezu genau Richtung Westen. Jetzt kommt mir daher ein stetiger, leichter Wind entgegen. Hierdurch werden die restlichen Kilometer bis Salon trotz der großen Hitze doch wieder recht angenehm. Salon-de-Provence ist auf meine Liste der zu besuchenden Orte gelangt, weil mich dieser Ort an die für den Segelflug im Bereich südwestlich von Sisteron wichtige Radarkontrolle "Salon Approach" erinnert. Darüber hinaus hat die bekannte militärische Kunstflugstaffel "Patrouille de France" seit Jahren in Salon-de-Provence ihre Basis. Aber das sind natürlich nur so Vorwände. Der direkt am Ortsrand liegende Flugplatz ist militärisches Gelände. Obwohl dort auch Segelflug betrieben wird, ist ein direkter Zugang zum Gelände nicht möglich. Man kann lediglich die Flugschüler der Luftwaffe bei ihrem Kunstflugprogramm beobachten und gelegentlich ein Segelflugzeug im Endanflug sehen. Im Ort selbst entdecke ich dann eine für einen "ordentlichen Kultur-Reiseführer" wesentlichere Tatsache: Hier in Salon-de-Provence hat der 1503 in Saint-Remy-de-Provence geborene Astrologe und Mediziner Nostradamus viele Jahre bis zu seinem Tod im Jahre 1566 gelebt. Besonders bekannt ist Nostradamus als Verfasser der "Centaurien", ein Buch mit Vorhersagen teils apokalyptischer Dimensionen. Im Maison de Nostradamus wird das Leben und Wirken dieser großen Persönlichkeit des Mittelalters recht beeindruckend dargestellt. Dann beherbergt der Ort noch ein Museum zur französischen Kriegsgeschichte, ein Denkmal für Adam de Capronne, einen Ingenieur, der bereits im 16. Jahrhundert die Region um Salon durch Umleitung von Wasser der Durance künstlich bewässert hat. Neben der prunkvollen großen Holztüre am Hôtel de Ville, ein Gebäude aus dem 17. Jahrhundert, macht dann noch ein Schild stolz auf einen Besuch Ludwig XIV im Jahre 1660 aufmerksam. Die Reiseführer in Händen vieler anderer Touristen werden wohl noch so manches weitere Detail vermitteln. Mir reichen mal wieder die mehr oder weniger zufälligen kleinen Entdeckungen. 27.05 / Salon-de-Provence Rundgang durch Salon mit ausgedehntem Spaziergang bis zum am Stadtrand liegenden Flughafen. Hier ist eine Einheit der Luftwaffe, eine militärische Flugschule und die "Patrouille de France" stationiert. Daher kann man leider nicht so einfach auf diesen Flugplatz spazieren, Auch die Erklärung, man sei selbst Segelflieger und möchte nur einmal die dort aktiven Segelfluggruppe besuchen hilft da nicht weiter. So muß ich mich auf einen Blick von außerhalb auf den Flugbetrieb begnügen. Na ja, eigentlich hatte ich auch nicht mehr erwartet. Am späten Nachmittag habe ich mir dann noch die gut gemachte Präsentation über Nostradamus angesehen. 28.05 / 39 km Aix-en-Provence Heute geht es über Peyrolles und dann auf der bis Eyguilles wenig befahrenen D 17 nach Aix-en-Provence. Wir haben wieder einen schönen und bereits morgens sehr warmen Sommertag. Zum Glück weht mir ein leichter, kühlender Wind entgegen. Es ist eine sehr gut zu befahrende Strecke. Sie steigt auf leicht welligem Gelände von Salon aus um rund 250 m an um dann kurz vor Aix wieder deutlich abzufallen. Diese Strecke ist offensichtlich eine beliebte Trainingsstrecke der heimischen Rennradler. Sie begegnen mir oder überholen mich in großer Zahl. Manchmal einzeln, häufig in Gruppen und meistens auffallend freundlich. Wenn mir mal eine etwas "muffeliger" Gruppe begegnet, sprechen sie meistens miteinander nicht französisch. Vielleicht lässt diesen Gästen selbst in dieser vor Freundlichkeit nur so sprühenden Region ihr Trainingsprogramm keinen Raum für eine freundliche Geste gegenüber so irgendeinem Reiseradler. Die Distanz bis Aix ist nicht groß. So komme ich recht früh dort an. Nach einem kurzen Gang durch die quirlige Innenstadt gebe ich es erst einmal auf, mich mit dem Rad durch die mit Menschen übervollen engen Straßen zu quälen. Ich suche mir daher erst einmal ein Hotel in der Nähe des Zentrums. Wie sich dann später herausstellt, habe ich zwar ein sehr ordentliches aber auch relativ teures Haus gewählt. Anschließend verbleibt mir ausreichend Zeit für die weitere Erkundung dieser lebhaften Stadt. 30.05 / 43 km Flughafen Es scheint etwas schlechteres Wetter hereinzuziehen. Der Himmel ist bedeckt und bevor ich Aix in Richtung Südwesten verlassen habe, fallen einige Regentropfen. Aber ich habe Glück. Der Regen entwickelt sich nicht weiter. Ja, weiter in Richtung Südwesten wird es wieder besser. So kann ich mir auf dem ohnehin nicht besonders langen Weg bis zum Flughafen Marseille-Provence einen kleinen Umweg bis zum Aqueduc de Roquefavour erlauben. Bis nach Les-Pennes-Mirabeau kann ich auf ruhigen Nebenstraßen fahren. Aber ab hier habe ich keine Alternativen. Ich muß für den kurzen Rest der Strecke die stark befahrene vierspurige Zubringerstraße zum Flughafen benutzen. Aber auch das geht wieder, ähnlich wie bei der Ankunft vor 3 Wochen. 31.05. Rückflug nach Köln-Bonn Anmerkung: Die Provence ist bestens für einen Radurlaub geeignet. Hier gibt es eine sehr große Vielfalt landschaftlicher und insbesondere topografischer Reize. Neben den unter rein touristischen Gesichtspunkten interessanten Orten und Regionen lassen sich hier aufgrund der abwechslungsreichen Topografie sehr schöne Strecken unter dem Gesichtspunkt optimaler Trainingsbedingungen zusammenstellen. Insbesondere das Plateau de Vaucluse bietet hier hervorragende Möglichkeiten. Man sieht daher hier ständig Radler aller Art: Reiseradler mit mehr oder weniger Gepäck, Freizeitradler und recht viele mehr oder weniger gut organisierte Radsportler bei irgendwelchen Trainingsmaßnahmen. |