...... mit dem Fahrrad
            von Minneapolis nach Boston
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"Wenn ich jetzt noch trocken und unbehelligt von den Nebenwirkungen eines "severe thunderstorm", eines "microburst" oder gar eines "ausgewachsenen" Tornados nach Minneapolis komme, habe ich die Radtour mit etwas Wetterbeobachtung und einer gehörigen Portion Glück gut über die Runden gebracht."

Das war so einer meiner letzten Eindrücke der vorhergehenden Tour von Seattle nach Minneapolis. Jetzt will ich meine Durchquerung der USA vom Pacific an den Atlantic fortsetzen. Hierzu bin ich wieder nach Minneapolis geflogen.


Und wieder einmal habe ich so richtig Glück. Am Mittwoch, 25. Juni 2003, bin ich in Minneapolis angekommen. Es gab nur einige kleinere Probleme mit meinem Gepäck. Ein Teil des Gepäcks ist wohl in Cincinatti liegen geblieben. Aber man sagt mir, dass Gepäck mit der nächsten Maschine komme und man es mir schnellstens in meine Unterkunft bringen werde. Kurz nach Mitternacht war alles wie versprochen im Hostel angeliefert. Gut - man hätte mir gleich die richtige Auslieferungszeit sagen können, statt mir 2 mal sehr optimistische Termine zu nennen, die dann jeweils kurz vor Ablauf durch neue ersetzt wurden. Aber vergessen wir das, schließlich wurde das Gepäck so früh angeliefert, dass ich ohne Verzögerung am Donnerstag meine Tour beginnen konnte.

Na ja, dann sind mir in den Grünanlagen von Minneapolis die vielen umgestürzten Bäume und die abgebrochenen Äste aufgefallen. Es muß wohl ein heftiges Unwetter hier durchgezogen sein. Und dann lese ich in der Zeitung, dass am Dienstag einige Kilometer westlich von Minneapolis ein Tornado eine Kleinstadt verwüstet hat und Minneapolis von schweren Regenfällen heimgesucht wurde.

Für mich hätte es ja auch deutlich schlimmer kommen können, der Tornado etwas weiter östlich und 2-3 Tage später, dann könnte es mich gleich zu Beginn der Tour böse erwischt haben. Glück gehabt. Ich komme trocken und unbehelligt bis Cumberland. Dann zieht eine weitere Front durch. Es regnet kräftig und ist für die Jahreszeit mit nur 55 ° F (ca. 13 ° C) recht kühl.

Ab Hayward gibt's dann wieder steigende Temperaturen und bis hier hatte ich zwei Etappen bei besten Bedingungen. Ich durchfahre hier eine herrliche Landschaft mit ungezählten Seen. Was bietet sich da mehr an, als bei Glidden und in Mercer auf schönen Campingplätzen Station zu machen.

Insgesamt war die Topografie bisher recht anspruchsvoll. Keine extreme absolute Höhe, statt dessen ein ständiges auf und ab, mit teilweise recht steilen Anstiegen. Streckweise folgten solche "up-and-downs" in Intervallen von weniger als 1 km. Dann hatte ich auch noch recht spürbaren Seiten- oder gar Gegenwind, was dann für eine angemessene Müdigkeit sorgte, die jedoch mögliche Schlafstörungen als Folge der Zeitunterschiede gleich im Keime erstickte.

Bei besten Wetterbedingungen bin ich in Escanada erstmals an den Lake Michigan gekommen. Hier konnte ich eine plötzlich erforderlich gewordene kleine Reparatur an meinem gefederten Lenkervorbau machen. Morgens musste ich zu meiner Überraschung feststellen, dass eine der beiden Klemm-Schrauben zur Befestigung des Vorbaues an der Vorderradgabel locker war und wegen einer Beschädigung des Gewindes nicht mehr festgezogen werden konnte. Aber ohne besonderen Aufwand bin ich gleich bei der Einfahrt in das Stadtzentrum in einen Fahrradladen "gestolpert" und konnte hier auch gleich eine passende Ersatzschraube finden und somit den Vorbau wieder ordentlich befestigen.

Am nächsten Morgen konnte ich meine Fahrt somit wieder unbeschwert fortsetzen. In St. Ignace am nördlichen Ende des Lake Michigan habe ich auf einem schönen Campingplatz Station gemacht. Hier von St. Ignace führt eine annähernd 8 km lange Brücke über die Verbindung zwischen Lake Michigan und dem Lake Huron nach Mackinaw City. Leider ist diese schöne Brücke für Radfahrer gesperrt. Aber es gibt eine durchaus reizvolle Alternative mit zwei Fährüberfahrten. Zunächst gehts von St. Ignace nach Mackinac Island und dann weiter nach Mackinaw City.

Am frühen Vormittag fahre ich mit der Fähre nach Mackinac Island. Hier kann ich bei besten Wetterbedingungen den Tag mit einer Inselumrundung und einem angenehmen Aufenthalt in einem netten Restaurant geniessen. Anschließend geht es mit einer weiteren Fährüberfahrt nach Mackinaw City. Auch hier mache ich wieder Station auf einem schön gelegenen Campingplatz mit herrlicher Aussicht auf die Brücke. Leider lässt man sich die gute Lage recht ordentlich bezahlen.

Die weitere Route führt mich in Richtung Süden durch Michigan. Zunächst geht es durch eine reizvolle, recht waldreiche Region. Später wird die Gegend durch riesige Obstplantagen geprägt. Ich befinde mich im Zentrum des Kirschenanbaues in Michigan. Und es ist gerade Erntezeit, also ständig Gelegenheit, erntefrische Kirschen zu essen, nicht ganz billig - aber stets von bester Qualität. In Traverse City ist am bevorstehenden Wochenende das große "Cherry Festival". Ich sollte ohnehin mal wieder eine kleinere Pause einlegen. Was bietet sich da mehr an, als in Traverse City für zwei oder drei Tage zu bleiben und das Cherry Festival zu besuchen. Aber es kommt mal wieder anders. Die nächste Regenfront zieht von Nordwesten über den Michigan See heran und das Chery Festival versinkt im Dauerregen. Ich bleibe zwar für zwei Tage in Traverse City, aber wohl eher, um auf eine Wetterbesserung für die Weiterfahrt zu warten.

10. Juli - bei recht ungemütlichem Wetter verlasse ich Traverse City. Gleich zu Beginn dieser Etappe liegt ein recht anspruchvoller Hügel "im Weg". Es geht dann bei überwiegend regnerischem Wetter weiter durch ein sehr schönes Feuchtgebiet bis nach Mesick. Nach rund 70 km breche ich hier die Tour für heute ab. Für eine Weiterfahrt durch die hier weiträumig unbesiedelte Gegend ist mir die Witterung zu ungünstig. Bei Weiterfahrt kann ich frühestens in etwa 50 km mit einer brauchbaren Unterkunft rechnen. Also quartiere ich mich hier in Mesick im nahen Motel ein. Das war eine richtige Entscheidung, wie sich in den nächsten Tagen herausstellt.

Für die nächsten 8 Tage habe ich hervorragende Wetterbedingungen - keinen Regen und sehr angenehme Temperaturen. Zunächst fahre ich bis Reed City. Das ist eine sehr schön gelegene Kleinstadt mit einem herrlichen kleinen Campingplatz. Hier treffe ich auf eine sehr nette amerikanische Familie und kann wieder einmal eine unkomplizierte Gastfreundschaft geniessen.

Nach einigen weiteren Tagesetappen befinde ich mich in der Region um La Grange in einem Siedlungsgebiet der Amish People. Dieses Siedlungsgebiet ist nicht so groß wie die bekannteren Siedlungsräume der Amish People in Walnut Creek und Sugar Creek. Aber auch hier kann man die sehr konservative, von moderner Technik unberührte Lebensweise der Amish sehr gut beobachten. Die Amish People betreiben Landwirtschaft wie es schon die Vorväter vor Generationen gemacht haben. Hier gibt's beispielsweise keine Mähdrescher. Hier wird das konventionell gemähte Korn zu Garben gebunden und für einige Zeit zum Trocknen auf dem Feld belassen. Neben den auffallend sauberen, weiß gestrichenen Gebäuden fallen die Farmen der Amish auch dadurch sofort auf, dass statt Autos und Garagen Pferde, Kutschen und dafür geeignete Remisen das Bild prägen.

Überall in dieser Region kann man Amish People und ihrem Lebensstil begegnen: auf den Straßen die Kutschen, die traditionelle, überwiegend selbst angefertigt Bekleidung, kleinere Märkte oder gar einzelne Verkaufsstände mit traditionellen Bäckereiwaren oder landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Die ganze Region strahlt - trotz der nicht klaren Grenzziehung zu der nicht zu den Amish People gehörende Bevölkerung eine große Ruhe aus. Das Leben verläuft hier noch einen gewissen Grad ruhiger als in den anderen landwirtschaftlich geprägten Regionen, die ich während dieser Tour darfahren habe.

In einem großen Bogen fahre ich über Fort Wayne und Fremont an den Lake Erie. Hier ist meine erste Station Vermillion. Hier werde ich mal wieder durch reichlich Regen zu einer Zwangspause veranlasst. Aber Vermillion liegt recht nett und ist durchaus eine kleine Reiseunterbrechung wert.

Bei unbeständigem Wetter geht es dann weiter Richtung Buffalo. Meinen Stop in Erie kann ich dann wieder bei bester Witterung mit einem Aufenthalt in dem State Park "Presque Island" verbinden. Die Weiterfahrt nach Buffalo wird wieder von recht unbeständigem Wetter begleitet. Auch das schöne Straßenfest in Buffalo versinkt in strömenden Regen.

29. Juli - Jetzt fahe ich über die "Peace Bridge" zwischen Buffulo und Fort Erie in die kanadische Provinz Ontario. Eines der "Highlights" dieser Reise, die Niagara Fälle sollte man auf der kanadischen Seite besuchen. Hier liegt zweifelsfrei die "Schokoladenseite" dieser gewaltigen Naturkulisse.

Die Ausreise aus den USA geht problemlos vonstatten. Lediglich die Bemerkung der kanadischen Passkontrolle, dass man in meinem Pass einen Ausreisestempel vermisse, irritiert mich etwas. Aber ich werde gleich wieder beruhigt. Man meint hier, dass man bei der Wiedereinreise in die USA zumindest bei einem sich offensichtlich auf der Durchreise befindenen Fahrradtouristen wohl keine Schwierigkeiten machen werde.

Optimistisch und leichtgläubig wie ich nun einmal bin, habe ich dann meine Tour unbekümmert fortgesetzt. Von Fort Erie führt eine herrliche und relativ wenig befahrene Straße über etwa 27 km an die Niagara Fälle. Während der ganzen Anfahrt habe ich einen herrlichen Blick auf den Niagara. Hier auf der kanadischen Seite ist das ganze Umfeld eine sehr gepflegte Parklandschaft, teilweise mit schönen Radwegen und Picknickplätzen. Die gegenüber liegende amerikanische Seite ist leider ein sich zwischen Buffalo und dem amerikanischen Niaga Falls hinziehendes großes Industriegebiet mit viel chemischer Industrie und entsprechenden Altlasten.

In der Niagara Gazette erscheint dann auch pünktlich zu meinem Eintreffen ein zu dieser Problematik passender Artikel:


By Susan Mikute Campbell, Niagara Gazette

Twenty-five years ago, Lois Gibbs and her Love Canal neighbors discovered their homes were sitting next to 20,000 tons of toxic chemicals. The Love Canal housewife was a spokeswoman for the fight that led to the relocation of 900 households.
This week, Gibbs, now executive director of the Center for Health, Environment and Justice, a national organization she founded, will be back in her old neighborhood to observe the 25th anniversary of the Love Canal enviromental crisis. Events are planned in Erie and Niagara counties Thursday, Friday and Sunday.

This week's Newsweek magazine features Love Canal and the current Hickory Woods situation in Buffalo, she said. "It helps people not to forget the lessons we've learned," Gibbs said.
Over the past 25 years, there have been major improvements in cleaning up the environment and the workplace, she said, but it's still an issue. Niagara Falls forefathers who thought they could have chemical industry and tourist industry on parallel paths were a little foolish, she said, adding that now the chemical industries are going out of business or getting out of town, and residents have to mop up after them. The historical waste that was left behind has to be addressed. ""We just can't continue to let it sit there and let them continue to seep into the environment,"" she said.

Gibbs will participate in a toxic tour of Erie County dumpsites Thursday. On Friday, she will attend a national news conference at 8 a.m. and Love Canal walking tour at 9:30 a.m. At noon Friday, she \will be at the gates of Chemical Waste Management in Porter, joining members of Porter's Residents for Responsible Government.

The group is concerned not only about the toxic waste that continues to be buried at the site, but the surrounding Lake Ontario Ordnance Works and its radioactive waste from the atomic bomb Manhattan Project. "Lois has been very supportive of our work behind the scenes," said Bill Rolland, secretary of Residents for Responsible Government. "I think having grown up here, she realizes how much toxic waste exists here and how potentially exposed it is to the fresh water bodies around us."

Aber heute will ich nur die Schönheit und Erhabenheit der gewaltigen Niagara Fälle auf mich wirken lassen. Leider ist es den ganzen Vormittag recht dunstig. Die hohen Gebäude in Niagara Falls kann ich zunächst nur sehr schemenhaft ausmachen. Und auch bei der Ankunft an den Niagara Fällen ist die Sicht noch nicht besser geworden. Die Fälle wirken aber auch bei dieser Witterung.

Zwei Tage will ich hier bleiben. Zunächst muss ich mir daher erst einmal eine passende Unterkunft suchen. Und zu meiner Freunde kann ich feststellen, dass es hier auf der kanadischen Seite trotz reichlich Touristenandrang deutlich preisgünstiger als während der letzten Tage in den USA ist.

Nach einer kleinen Rundfahrt durch den Ort, einer ausgedehnten Kaffepause mit Blick auf die im leichten Dunst liegenden Niagara Fälle, einer Rundfahrt entlang des Niagara zur spanischen Drahtseilbahn und zu den Whirlpools, zum Botanischen Garten und den großen Kraftwerken klart es dann plötzlich auf. Die richtige Zeit für einen Besuch des großen Aussichtsturmes. Von hier hat man einen grandiosen Blick auf die Niagara Fälle und das ganze Umland.

Anschließend geht es noch einmal direkt an die Niagara Fälle. Jetzt kann ich die gewaltigen Wassermassen bei besten Lichtverhältnissen genießen. Und es läßt sich wohl gar nicht vermeiden, jetzt folgt auch noch eine Ausfahrt mit dem Touristenboot "Maid of the mist". Es geht ganz dicht an die herabfallenden gewaltigen Wassermassen heran. Das ist schon sehr beeindruckend - wenn man dann noch bedenkt, dass durch die großen Stauwehre oberhalb der Fälle heutzutage nur noch ein Bruchteil des Wassers über die Fälle kommt! Ein großer Teil des Wassers wird durch große Kanäle unter Umgehung der Fälle direkt in die Wasserkraftwerke geleitet.

Die Wieder-Einreise in die USA gestaltet sich trotz fehlender Ausreisestempel promblemlos. Ein sehr freundlicher Kontrollbeamter hat nichts Besseres zu tun, als mit mir ein Gespräch über meinen bisherigen Reiseablauf und meine weitere Planung zu führen. Für den vor mir liegenden Abschnitt entlang des Erie Canal hat er dann noch so einige hilfreiche "Insider-Tipps". Meinen Pass schaut er sich nur recht flüchtig an und dann geht es zügig weiter.

Zunächst geht es durch eine relativ stark besiedelte Region und überwiegend durch innerstädtische Straßen bis nach Lockport. Dann folge ich für etwa 70 km dem Erie-Canal auf einem sehr guten Trail. An mehreren Stellen laufen zur Zeit größere Bauarbeiten, manche Stellen sind mit sehr losem Material belegt und daher teilweise recht rutschig. Aber bei Bedarf kann man meistens auf parallel verlaufende Straßen mit geringem Verkehr ausweichen.

2. August
Eigentlich sollte man bei der vorliegenden Wetterprognose mit Gewittern etc. rechnen. Abes es ist ein Sommertag wie im Bilderbuch. Auch die zu durchfahrende Landschaft, der westliche Rand der Adirondacks bis Old Forge ist zwar stellenweise recht anstrengend, aber es geht durch eine wirklich schöne Landschaft. Und Old Forge entpuppt sich als eine Touristenhochburg der westlichen Adirondacks. Das macht sich leider auch bei den Unterkünften bemerkbar. Es ist Wochenende, Ferienzeit, und alles mit bestem Wetter! Alle Motels und selbst die Campingplätze sind ausgebucht. Nach langer Sucherei gebe ich auf und entscheide mich, gut 10 km zurückzufahren um im Campground "Singing Waters" unterzukommen. Mittags war mir das noch zu weit von Old Forge entfernt. So ändern sich halt die Ansprüche! Und jetzt am Abend meldet sich auch das erste Gewiter. Aber da ich eh' keine Alternative habe, muß ich halt mal sehen, wie sich die Sache entwickelt. "Richtige" Gewitterwarnungen hatte es ja nicht gegeben. Aber kaum habe ich das Zelt aufgebaut, da geht es denn auch los. Erst heftiger Regen und dann ein ordentliches Gewitter!

Am nächsten Morgen geht es bei trüber Witterung weiter durch die Adirondacks. Über den flussnahen Auen liegen leichte Dunstschleier. Dann dringt so nach und nach die Sonne durch. Ein einfach herrlicher Radfahrertag in einer herrlichen Gegend. So ist auch nicht weiter verwunderlich, dass ich heute über weite Strecken mit einigen Amerikanern radeln kann. Hier im Zentrum der Adirondacks wird ein eintägiges Jedermann-Rennen ausgetragen. An den Versorungspunkten werde ich jeweils eingeladen, ja fast schon bedrängt, mich mit Getränken und etwas Proviant für die Weiterfahrt zu versorgen. Und immer gibt es einige gute Ratschläge für meine weitere Tour.

Meine Route führt mich dann in die White Mountains, in eine landschaftlich sehr reizvolle Gegend. Leider verbietet die ungünstige Wetterlage eine Exkursion zum Mount Washington und weiter durch die "Presidential Range". Die Flüsse der Region ziehen viele Wassersportler an. Besonders verbeitet ist hier das Whitewater Rafting. Aber jetzt haben wir wegen der extremen Niederschläge flächendeckend schon gefährliche Hochswasserstände. Die Flüse sind durchweg für den Wassersport gsperrt. Die kommerziellen Bootsverleihe und Raftinggesellschaften haben ihren Betrieb eingestellt. Für mich geht es daher schnell weiter durch die Green Mountains in Vermont und schließlich nach Brunswick an der Küste im Bundesstaat Maine. Auch auf diesem Streckenabschnitt ist die Wetterlage recht "durchwachsen", relativ kühl und sehr feucht.

Bei wieder besseren Bedinungen starte ich mit einem Abstecher zu den Hummerfischern auf Bailey Island meine Weiterfahrt entlang der Küste. Zunächst geht es entgegen allen "guten" Ratschlägen nach Portland. Und ich kann die Warnungen vor einer Radtour nach Portland nicht nachvollziehen. Gut, es ging für eine gewisse Distanz auf einer 4-spurigen Straße mit reichlich Verkehr. Aber der Randstreifen war recht breit und in einem tadellosen Zustand. Und kurz vor Portland gab's dann auch noch eine gute Anbindung an das ordentliche Radwegenetzt dieser Hafenstadt.

Portland ist eine kleinere aber recht lebhafte Hafenstadt. Auch diese Stadt ist typisch amerikanisch für den Autoverkehr optimiert. Riesige 4-spurige Straßen umgeben die Innenstadt und den Hafen. Aber durch ein in den letzten Jahren entwickeltes Radwegenetz ist der Ort trotz allem mit dem Fahrrad recht gut zu befahren. Portland ist ein weiteres Zentrum der Hummerfischerei und -verarbeitung. Entsprechend groß ist die Auswahl an Fischrestaurants - selbstverständlich mit einem ordentlichen Angebot an Hummer-Gerichten.

14. August In Portland war es noch recht unbeständig. Aber heute kann ich meine Tour entlang der Küste bei bestem sommerlichen Wetter fortsetzen. Zunächst geht es durch eine herrliche Lagunenlandschaft und dann etwas abseits der Küste nach Ayer im Bundesstaat Massachusetts. Von hier aus sind es nur noch wenige Kilometer über eine recht stark befahrene Straße. Dann kann ich dem Charles River folgend auf einem angenehmen Radweg direkt ins Zentrum von Boston radeln. Zwischen dem direkt am Ufer des Charles River verlaufenden Radweg und der Innenstadt Boston verläuft eine 4-spurige Schnellstraße. Über mehrere Brücken besteht Anschluß an die innerstädtischen Straßen. Leider fehlen jedoch an den Brücken jegliche Hinweise darauf, wohin denn nun der jeweilige Anschluß führt. So fahre ich denn fast bis in den Hafen und muß zu meinem Hotel im Zentrum der Stadt dann wieder eine größere Strecke zurück fahren.

In Boston werden zur Zeit einige der größten Bausünden behoben. Eine die Innenstadt vom quirligen Hafen trennende Hochstraße wird zurückgebaut, teilweise in einen Tunnel verlegt, teilweise für Fußgänger durchlässig gemacht. Nach Abschluß der Arbeiten wird der ganze Bereich zwischen City Hall und Hafen eine riesige Flanierzone sein, die sicherlich nicht nur den Touristen gefallen wird.

Boston ist mit mehr als 350 Jahren wohl eine der ältesten Städte der USA. Hier hatte die Unabgängigkeitsbewegung ihren Ursprung. An vielen Stellen der Stadt stößt man auf geschichtsträchtige Spuren wie beispielsweise der "Freedom Trail".

Heute ist Boston ein wichtiger Universitäts- und Finanzplatz. Boston zeignet sich durch ein reichhaltiges kulturelles Angebot aus und sollte bei einer Reise in die Neu-England-Staaten an der amerikanischen Ostküste unbedingt besucht werden.

Für mich endet diese Tour hier nach cirka 4.500 km. Bis zum Rückflug verbleiben mir noch einige nette Tage in Boston.

Dieser zweite Teil der West-Ost-Duchquerung der USA ist völlig anders als der erste Teil. Der erste Teil von Seattle nach Minneapolis war geprägt von der großen Weite des Westens, der Prairie, den weiten Getreidefeldern. Der zweite Teil dagegen bietet ein breites Spektrum unterschiedlicher Landschaften, unterschiedlicher Lebensformen. Das von der Milchwirtschaft geprägt Wisconsin. die intensive Forstwirtschaft, viele Aufforstungen, intensive Nutzug, die Obstanbaugebiete in Michigan. die vielen Seen. das große Obstanbaugebiet, die Randzonen der industriellen Nutzung rund um Cleveland, der Erie Canal (der eine gut 500 km lange Verbindung zwischen dem Hudson und Buffalo am Ostrand des Lake Erie schafft), die Adirondacks und die Green Mountains, die Küste von Maine und Massachusetts. Und auf dem Wege viele Landmarken der amerikanischen Geschichte.

Kurzum, es war wieder einmal eine sehr schöne und beeindruckende Radtour!


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